Cham
Weder Jude, Christ noch Moslem

Hitler

Meine Mutter kam 1860 im Waldviertel zur Welt. Ihre Heimat war vom Christentum geprägt. Es hat zwar auch andere Einflüsse gegeben, die sie erreichten, das Christentum war jedoch übermächtig. Es war kaum etwas auszumachen, was seiner Vorgabe widersprach. Bei Widerspruch musste man damals zwar nicht mehr um sein Leben fürchten, ein paar Generationen zuvor aber schon. Es herrschte ein Klima der Angst, die aus Jahrhunderten der Unterdrückung geboren war.

Beherrscht wurde Österreich von Adel und Klerus. Der Adel unterstützte den Klerus und der Klerus rechtfertigte dessen Herrschaft als von Gott verfügte Ordnung. Die Rolle der Untertanen erschöpfte sich im Dienst am christlichen Staat. Was es über Recht und Ordnung, über Gott und die Welt, über Wahrheit und Irrtum zu denken gab, legte die Obrigkeit fest. Diskussionen waren verpönt.

2 Timotheus 2, 14:
Dazu halte sie an und beschwöre sie vor Gott, daß sie nicht in Wortgefechte sich einlassen; das bringt keinen Nutzen, nur Unheil für die Zuhörer.

Mein Vater kam 1837 zur Welt. Im selben Jahr wurden 400 Protestanten aus Tirol vertrieben. 26 Jahre vorher wurde die letzte Hexe verbrannt. Es war am 21. August 1811. Die Frau hieß Barbara Zdunk und stammte aus Ostpreußen.

2 Moses 22, 17:
Eine Zauberin darfst du nicht am Leben lassen.

Markus 16, 17:
In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben.

Auf Druck der Revolution wurde 1848 die Leibeigenschaft aus der Verfassung gestrichen. Leibeigene waren Sklaven, die man vererben, meist aber nicht verkaufen konnte. In den Niederlanden wurde die Sklaverei 1863 abgeschafft, in den USA 1865, in Brasilien 1888. Die Mentalität der Menschen hat sich nach 1848 nur langsam verändert, besonders im Waldviertel. Die Revolution war eine Folge der Aufklärung und selbst in den Großstädten hatte sie 150 Jahre gebraucht, um eine Revolution zu bewirken. Wer es mit der Aufklärung hielt, kam nicht ins Waldviertel. Er wäre dort erstickt. Im Christentum gab es Sektierer, die feudale Strukturen ablehnten. Die christliche Führung hatte den Feudalismus aber von je her gefördert.

Jesus Sirach 33, 33-38:
Heu und Stock und Last gehören für den Esel, Brot und Züchtigung und Arbeit für den Sklaven. Halt deinen Knecht zur Arbeit an...Den Nacken krümmen Joch und Strick, und für den schlechten Sklaven ziemt sich Block und Folter...und wenn er nicht gehorcht, leg ihn in schwere Ketten!

Römer 13, 1-7:
Jedermann unterwerfe sich den vorgesetzten Obrigkeiten; denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott angeordnet. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes und die sich widersetzen, werden sich selber das Gericht zuziehen. Die Regierenden sind ja nicht der guten Tat Anlaß zur Furcht, sondern der bösen. Willst du aber ohne Furcht sein vor der Obrigkeit, so tue das Gute und du wirst Anerkennung finden bei ihr. Denn Gottes Dienerin ist sie für dich zum Guten. Tust du aber das Böse, so fürchte dich; denn nicht umsonst trägt sie das Schwert. Sie ist ja Gottes Dienerin...Daraus folgt, daß man sich unterordnen muß, nicht nur um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Aus diesem Grund zahlt ihr ja auch Steuern; denn Beauftragte Gottes sind sie, und gerade dafür tun sie beharrlich ihren Dienst. Gebt allen, was ihr schuldig seid:...Furcht, wem Furcht, Ehre, wem Ehre!

Mein Vater Alois war der Sohn von Anna Schicklgruber. Sie war ledige Magd beim Kleinbauern Trummelschlager in Strones. Ledige Mütter wurden als Huren bezeichnet. In den Augen der Kirche hatten nur solche Kinder ein volles Existenzrecht, deren Zeugung durch die kirchliche Trauung abgesegnet war. Die Zeugung von Kindern ohne Zustimmung des Klerus galt als Verbrechen wider Gott.

Hosea 2, 6:
An ihren Söhnen übe ich keine Gnade, denn Dirnenkinder sind sie.

Weisheit 3, 16:
...Nachkommen aus gesetzwidrigem Ehebett werden zunichte.

Die kirchliche Trauung war wie Taufe und Firmung ein öffentliches Bekenntnis zur Einheitspartei. Wer sich Ehe und Absicht zur Fortpflanzung von der Kirche genehmigen ließ, gelobte, auch den Nachwuchs in deren Sinne zu prägen. Natürlich ist das Interesse an der Abstammung bereits ein biologisches Thema. Es wird selbst von eifersüchtigen Spatzen praktiziert. Auch den Heiden der Antike war es keineswegs egal, wer von wem abstammte und die Einmischung kollektiver Interessen in die Intimität der Partnerschaft ist ein Übel, das weltweit zu finden ist. Die Auserwähltheitsphantasie hat das Thema jedoch sinnwidrig verschärft. Wenn ein Volk als Volk von Gott zur Herrschaft beauftragt ist, wird die Frage der rechtmäßigen Zugehörigkeit überwertig. Es wird ihr eine metaphysische Bedeutung angedichtet, die die Unfreiheit des Einzelnen vor den zufälligen Interessen der Sippe in eine Unfreiheit vor dem vermeintlichen Willen des Kosmos vergrößert. Die systematische Ächtung "illegitimer" Kinder variierte das selbe Thema wie einst Pinchas' Mord an Simri.

1842 heiratete meine Großmutter Georg Hiedler. Alois gab sie zu Georgs Bruder Nepomuk. Nepomuk gab 1877 auf Wunsch meines Vaters beim Pfarrer in Döllersheim an, dass Hiedler sich zu Lebzeiten zur Vaterschaft bekannt habe. Dass Hiedler tatsächlich mein Großvater war, ist unwahrscheinlich. Warum sollten Eltern ein uneheliches Kind ausgerechnet dann weggeben, wenn sie heiraten und warum hat Hiedler das Kind nicht mit der Eheschließung anerkannt? Eher ist es so: Alois stand der Ehe Annas mit Hiedler im Wege und die Ehe war Anna wichtiger als das Kind. Viele Mütter wünschten sich insgeheim, ihr Bastard wäre gar nicht auf der Welt. Trotz allem wurde mein Vater Beamter. Er war ehrgeizig und hat sich trotz seiner Herkunft nach oben gebuckelt.

Ich kam 1889 zur Welt. Anfangs kümmerte sich mein Vater kaum um mich. Als ich anfing, einen eigenen Willen zu entwickeln, versuchte er, ihn zu brechen. Das war üblich. Wegen der Demütigungen seiner Kindheit und der Verachtung, mit der er sich für seine Buckelei bestrafte, war er brutaler als viele andere Väter. Bloß keine Abweichung von der Ordnung! Er wollte beweisen, dass die Familie Hitler, anders als die Schicklgrubers, mustergültig war. Von mir verlangte er, dass ich aufs Kommando gehorchte. Die Kommandos pfiff er auf zwei Fingern. Ich war eigenwillig und reagierte mit wachsendem Trotz. Schläge bekam ich früh, richtige Dresche ab drei. Alois war jähzornig, reizbar, unzufrieden. Später trank er, kam spät nach Hause. Er hatte ein Nilpferdpeitsche. Damit drosch er auf mich ein. Er schlug auch Alois junior, seinen Sohn aus erster Ehe, und den Hund. Den Hund schlug er, bis der sich auf dem Boden krümmte und unter sich ließ. Meine Mutter hat die Pfützen weggewischt. Alois schlug nicht immer mit der Peitsche, oft nur mit der bloßen Hand. Ich bekam mehr Schläge als die anderen. Meine Geschwister fügten sich. Ich nicht. Ich wurde fast täglich geschlagen. Anlass war alles und jedes, wodurch ich mich als ungehorsam erwies. Später ging es meist um die Mühe, die ich mir in der Schule gab. Mein Vater verlangte, dass auch ich Beamter werde. Das lehnte ich ab. Ich wollte das Gegenteil. Ich wollte Künstler werden. Ich verachtete den Beamtenstand, hielt Beamte für Affen, die in ihren Stuben aufeinander hockten. Das reizte Alois' Selbsthass bis zum Äußersten. Worauf er stolz war, war für mich eine Schande. Deshalb drosch er auf mich ein. Ich sollte durch die Entscheidung zur Beamtenlaufbahn bestätigen, dass seine Anbiederung an die gute Gesellschaft richtig war. Auch in der Schule wurden wir geschlagen. Stockschläge und Ohrfeigen waren an der Tagesordnung. Öffentliche Demütigung galt als bewährtes Mittel, um widerspenstige Kinder zu brechen. Mit elf versuchte ich auszureißen, doch mein Vater fing mich wieder ein. Er war außer sich vor Wut. Als er zur Besinnung kam, fürchtete er, mich umgebracht zu haben. Ich wachte aber wieder auf.

Neben dem Bett meiner Mutter lag die Bibel. Wenn ich geschlagen wurde, tat sie meist nichts. Sie stand dabei, war innerlich im Zwiespalt. Sie gehörte nicht zu den Frauen, die Männern widersprachen. Sie versuchte so zu leben, wie der Glaube es ihr vorschrieb.

1 Timotheus 2, 11-12:
Die Frau soll sich ruhig verhalten und lernen in aller Unterordnung. Daß eine Frau lehre, gestatte ich nicht, auch nicht, daß sie sich unabhängig erhebe über den Mann, sondern sie verhalte sich ruhig.

1 Petrus 3, 1:
Desgleichen sollt ihr Frauen untertan sein euren Männern, damit auch jene, die dem Worte sich nicht unterwerfen, durch den Wandel der Frauen ohne Worte gewonnen werden...

Der Glaube spekuliert darauf, dass sich Männer auch ohne Interesse für seine Botschaft beugen, wenn man ihnen dafür ihrerseits etwas zu unterwerfen gibt. Der Glaube spekulierte mit Erfolg. Die Frau war ein Stück Kanaan für jedermann. Da konnten auch die Knechte ausprobieren, wie die Herrschaft schmeckt. Als Kind ging ich mit Mutter zur Messe. Gepredigt wurde Demut, Gehorsam, Respekt vor Kirche, Staat und Eltern. Ich wurde auch Sonntags geprügelt, nachdem von Liebe und Barmherzigkeit die Rede war.

Auch Alois war katholisch. Er ging aber nur an den Festtagen zur Kirche; an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am 18. August, wenn der Kaiser Geburtstag hatte. Um so wichtiger war ihm jedoch, dass wir es regelmäßig taten. Schon der Leute wegen. Die Kirche war zufrieden, wenn man sich zu ihr bekannte und sich im Falle offener Kritik auf ihre Seite schlug; egal, was man insgeheim tatsächlich dachte. Im Wirtshaus fluchte Alois über "die Schwarzen". Er machte sich für den "Fortschritt" stark. Als Beamter Seiner Apostolischen Majestät hätte er aber, am nächsten Tag ernüchtert, niemals aufbegehrt.

Meine Eltern führten eine christliche Ehe. Alois spielte das Alte, meine Mutter das Neue Testament. Er war wütend, autokratisch, ständig auf Herrschaft und Gehorsam bedacht, als sei er nicht erst in Strones, sondern schon in Ägypten gedemütigt worden und hätte die Schmach nie verwunden. Mutters Rolle war schiere Folgsamkeit. Sie war demütig und gehorsam bis zur Selbstaufgabe, stets bereit, dem sogenannten Frieden jedes Opfer zu erbringen. Gemeinsam haben sie biblische Bilder von Mensch und Gott als häusliche Tragödie inszeniert.

Kinder zu prügeln war selbstverständlich. Wenn es überhaupt eine Theorie der Erziehung gab, stammte sie aus christlichen Quellen. Die Bibel empfahl Kindesmisshandlung als unverzichtbar. In Klosterschulen waren die Misshandlungen besonders brutal.

2 Samuel 7, 14:
Vater will ich ihm sein, und er soll mir Sohn sein! Deshalb werde ich ihn, wenn er sich verfehlt, nach Menschenart mit Ruten und Schlägen züchtigen.

Sprüche 13, 24:
Wer seine Rute schont, haßt seinen Sohn, doch wer ihn lieb hat, nimmt ihn früh in Zucht.

Sprüche 19, 18:
Bestrafe deinen Sohn, solang noch Hoffnung ist, und all sein Jammern sollst du nicht beachten!

Sprüche 22, 15:
Wenn Torheit haftet in des Knaben Herzen, entfernt Erziehung mit der Rute sie daraus.

Sprüche 23, 13-14:
Erspare nicht dem Knaben strenge Zucht; wenn du ihn mit der Rute schlägst, so stirbt er nicht. Du schlägst ihn vielmehr mit der Rute und rettest vor dem Totenreich sein Leben.

Sprüche 29, 15-17:
Die Rute und die Rüge teilen Weisheit mit...Bestrafe deinen Sohn, so wird er dich beglücken und deiner Seele süße Wonnen einst bereiten.

Was nützt es der Rute, wenn man sie beim Prügeln schont? Sie zerbricht nicht. Die Bibel empfiehlt, Ruten auf Kindern zu zerschlagen; es sei denn, uns fiele ein anderer Schaden ein, den eine Rute beim Aufprall erleiden könnte, sodass Schonung ihr diesen Schaden erspart. Laut Bibel ist Kindesmisshandlung ein Ausdruck der Liebe. Salomo sprach von süßen Wonnen, die man einst genießen wird, wenn man seine Kinder schlägt. Meine Mutter hat die Angst in meinem Gesicht gesehen, wenn mein Vater auf mich losging. In der Bibel stand jedoch, sie solle mein Jammern nicht beachten. Also hat sie meine Schreie durchs Zimmer gellen lassen. Später habe ich allen Ehrgeiz darauf verwandt, den Schmerz ohne Klage hinzunehmen. Die Einfalt meiner Mutter galt als gottgewollt, Hilflosigkeit als höchste Tugend, zu der sie fähig war. Sie wurde ein Leben lang eingeschüchtert; von ihren Eltern, vom Pfarrer und den Herren, die in der Kirche auf den vorderen Bänken saßen.

Matthäus 5, 3:
"Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich..."

Jesus Sirach 3, 7:
Wer den Herrn fürchtet...dient seinen Eltern wie Herrschern.

Jesus Sirach 3, 21:
...was vor dir verhüllt ist, untersuche nicht!

Der Glaube hat gewollt, dass sie ungebildet blieb und ihre Meinung nicht zu sagen wagte. Er hat gewollt, dass sie nicht sieht, was sie sah und nicht hört, was sie hörte. Deshalb fand sie nie die Kraft, die Bosheit zu erkennen, mit der das Credo Gewalt und Weisheit gleichzusetzen wagt.

Jesus Sirach 22, 6:
...Zucht und Schläge zeugen stets von Weisheit.

Jesus Sirach 30, 1-13:
Wer lieb hat seinen Sohn, hält stets den Stock für ihn bereit...Wer seinen Sohn bestraft, wird Freude an ihm haben und sich vor den Bekannten seiner rühmen können...Es ist, wenn einst der Vater stirbt, als wäre er nicht tot, er hat ja doch sein Ebenbild zurückgelassen...scherze du mit ihm, so wird er dich betrüben! Lach nicht mit ihm, damit du nicht Verdruß erlebst...Beug ihm den Kopf in seiner Jugendzeit, und schlag ihm aufs Gesäß, solang er klein ist, daß er nicht widerspenstig wird und gegen dich sich auflehnt und dir durch ihn ein Herzeleid entsteht. Bestrafe deinen Sohn und mach sein Joch ihm schwer, damit er nicht in Torheit gegen dich sein Haupt erhebt!

Die Bibel predigt, was ich als Kind erlitt. Mein Vater wollte ein Ebenbild aus mir machen, einen Beamten der katholischen Monarchie Österreich, gebeugt unter das Joch der christlichen Obrigkeit, im Schatten seiner Apostolischen Majestät. Er wollte sich seines Sohnes rühmen und war bereit, so lange auf mich einzuschlagen, bis der Ruhm sich einstellt. Doch es kam anders, als die Bibel versprach. Das Joch, das er mir über den Nacken zog, zwang mich nicht wie erhofft in eine biedere Loyalität gegenüber der gewalttätigen Kultur, sondern es verwandelte mein Gesicht in eine hasserfüllte Fratze. Dieser Hass ist der Welt ins Gesicht geplatzt. Es war der Hass auf eine Gottesfurcht, die Kinder quält damit ihr selbst kein Herzeleid entsteht.

Hebräer 12, 6-11:
"...denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er; er schlägt jeden Sohn, den er annimmt." Haltet aus unter der Züchtigung! Gott verfährt mit euch als seinen Söhnen; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wäret ihr frei von Züchtigung, wie sie alle anderen erfahren haben, wäret ihr nicht vollgültige und echte Söhne...jede Züchtigung bedeutet für den Augenblick...Schmerz; später aber bringt sie denen, die durch sie geschult worden sind, als Entgelt eine heilbringende Frucht: die Gerechtigkeit.

Der Hebräerbrief vergleicht zwei Beziehungsebenen: die zwischen Gott und Mensch mit der zwischen Vätern und Söhnen. Dabei wird für beide Ebenen Gewalt als unbedingt notwendig und folglich rechtens dargestellt. Gewalt gegen Kinder ist laut Neuem Testament so selbstverständlich, dass nur ein Sohn, den der Vater schlägt, vollgültig gilt. Die eigentliche Vaterschaft wird erst durch die Misshandlung des Kindes erfüllt, die Kür zum echten Sohn durch Prügel. Das ist judaistische Theologie im Kinderzimmer. Sem, das "geliebte" Kind, wird solange geprügelt, bis es gehorcht, Cham in einem Aufwasch dabei totgeschlagen. Da das Entgelt für die Misshandlung in der Kindheit die heilbringende Frucht der Gerechtigkeit ist, ist zu schließen, dass ich es dank gründlicher Schulung zu großer Gerechtigkeit brachte; zumindest, wenn wir auf Paulus' Inspiration durch den "Heiligen Geist" vertrauen.

Außer zum Hass war ich durchaus zu anderen Gefühlen fähig. Als meine Mutter an Krebs erkrankte, hat Dr. Eduard Bloch sie behandelt. Bloch war Jude. Er hat sie bis zu ihrem Tod betreut. Später habe ich dafür gesorgt, dass Bloch dem Holocaust entging und Deutschland verlassen konnte. In Übersee wurde er am 5. März 1943 vom Office of Strategic Services befragt. Er hat den Antisemitismus des Dritten Reichs, zwar nicht bis zur letzten Konsequenz, aber hinreichend am eigenen Leibe und am Beispiel jüdischer Mitbürger erlebt. Bei der Befragung beschrieb Bloch mein Verhalten während der Krankheit meiner Mutter und unmittelbar nach ihrem Tod. Bloch sagte aus:

"In the practise of my profession it is natural that I should have witnessed many scenes such as this one, yet none of them left me with quite the same impression. In all my career I have never seen anyone so prostrate with grief as Adolf Hitler." (In Ausübung meines Berufes ist es natürlich, dass ich schon viele solcher Szenen gesehen habe, aber keine machte einen ähnlichen Eindruck auf mich. In meiner ganzen Laufbahn habe ich niemanden von seiner Trauer so zerrissen gesehen wie Adolf Hitler.)

Da Bloch Jude war und er seine Aussage jenseits jeder Bedrohung durch mein Terrorregime machte, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass seine Aussage stimmt. Der Jude Bloch hätte im sicheren Amerika, das mitten im Krieg gegen das Dritte Reich gewiss lieber ausschließlich Schlechtes über den Feind gehört hätte, keine Veranlassung gehabt, an mir etwas zu beschönigen. Wenn ich also zu einer abgrundtiefen Trauer fähig war und, wie Bloch außerdem beschreibt, zu einem unermüdlichen Mitleiden am Krankenbett meiner sterbenden Mutter ("his devoted and indefatigable care"), dann verschenkt man die Chance, etwas von geschichtlichen Ausmaß der Tragödie zu begreifen, sobald man sich auf die allseits bekannte Tatsache beschränkt, ich sei als Vollstrecker des Bösen anzusehen.

Wäre da bloß ein Kind gewesen, das von einem Psychopathen Prügel bezog, hätte es den Psychopathen gehasst, aber nicht die ganze Welt. Was meinen Hass ins Extreme trieb, war etwas anderes: Es war das fromme Einverständnis der Welt mit dem, was der Psychopath mit mir machte. Es war die Aussichtslosigkeit, dass diese Welt das Unrecht, dass ich erlitt, je als Unrecht anerkennt; denn die jüdisch-christliche Kultur, der ich als Kind ausgeliefert war, erklärte seit Moses väterliche und obrigkeitsstaatliche Willkür zum Gegenteil dessen, was sie wirklich ist. Sie erklärt sie zum Ausdruck wohlmeinender Fürsorge eines angeblich barmherzigen Gottes. Was meinen Hass zum Äußersten trieb, war eine Kultur, die verlangt, für die Grausamkeit, die sie betreibt, auch noch dankbar zu sein. Wenn der Vater nicht schlug, war es der Lehrer. Nach dem Lehrer war es der Meister, nach dem Meister der Offizier.

Derselbe Lehrling, der früher ein Watschenbua gewesen ist für Meister und Geselle, ist heute...ein selbstbewußter junger Mann.
(20.5.42 Wolfsschanze)

Erst die Gleichsetzung von Liebe und Gewalt und nicht bloß die Gewalt irgendeines Vaters hat aus dem harmlosen Kind, das ich ursprünglich war, einen psychisch kranken Mann gemacht; einen Mann, für den "Liebe" bloß eine Maske der Bosheit war, oder zu schwach, um vor Bosheit tatsächlich zu schützen. Und nicht ich, als der ich einst geboren wurde, sondern dieser psychisch kranke Mann wurde Millionen zum Verhängnis. Der Geist verkrüppelt nicht nur durch Gewalt. Er verkrüppelt vor allem durch die Lüge, mit der man die Gewalt maskiert.

Entscheidend für meinen weiteren Werdegang zum Massenmörder waren meine Wiener Jahre. Als Folge meiner Kindheit war ich kaum auf ein selbständiges Dasein vorbereitet. Das einzige, was ich wirklich konnte, war unbeugsam zu trotzen.

Schon bei einem Kind kann man im Alter von drei Jahren Angstvorstellungen erzeugen, die es im Leben nicht wieder verliert.
(7.4.42 Wolfsschanze)

Die Hoffnung, dass mich eine Laufbahn als Künstler vom Zwang befreit, mich einzuordnen, zerplatzte wie eine Seifenblase. Jenseits dieser Illusion hatte ich kein Konzept, wie ich ein Leben ohne Feindbild führen könnte. Nachdem mein Erbe verbraucht war, wurde ich obdachlos und hielt mich mit dem Verkauf selbst gemalter Postkarten über Wasser.

Fünf Jahre Ekel und Jammer sind im Namen dieser...Stadt für mich enthalten...In dieser Zeit bildete sich in mir...eine Weltanschauung, die zum granitenen Fundament meines...Handelns wurde...Wien war...die schwerste...Schule meines Lebens.
(Mein Kampf)

Wien war Bühne und Lakaienquartier einer "Apostolischen Monarchie", die sich im Gefühl gottgewollter Herrlichkeit im Wiener Prunk ein Denkmal setzte und sich vom Elend hinter dem Denkmal bedienen ließ. In Wien gab es zwei Welten: die obere und die untere. Zur oberen gehörte der Kaiser und alles, was bei Hof von vorne kam. Zur oberen gehörte der höhere Klerus, der so tat, als habe er im Auftrag Gottes dem Adel die Herrschaft verliehen und der zum Lohn für seine Gottesfurcht bei der Herrschaft speiste. Und zur oberen gehörte ein patrizisches Bürgertum, dessen Reichtum die fehlende Abstammung beim Betreten der Salons hinreichend vergessen ließ. Am unteren Ende des unteren Wien lebten 80000 "Bettgeher". Sie hießen so, weil sie sich das Bett, in dem sie schliefen, mit anderen Bettgehern im Wechsel teilten. Garant dieser Ordnung war eine kulturelle Tradition, die sich auf israelitische Gründerväter berief. Architektonisches Symbol der kaiserlichen Herrlichkeit war die Wiener Ringstraße.

Stundenlang konnte ich so vor der Oper stehen, stundenlang das Parlament bewundern; die ganze Ringstraße wirkte auf mich wie ein Zauber aus Tausendundeiner Nacht...Vor den Palästen der Ringstraße lungerten Tausende von Arbeitslosen, und unter dieser Via triumphalis...hausten im Zwielicht und Schlamm der Kanäle die Obdachlosen.
(Mein Kampf)

Zwei Umstände waren für meinen wahnhaften Durchbruch zum Judenhass entscheidend: die Spannung zwischen dem Pomp der Staatsmacht und dem Elend in seinem Schatten und der Umstand, dass mein Weltbild von einer Religion bestimmt war, die die Koalition des Glaubens mit der Macht zur einzig gottgewollten Staatsform erklärte. Während ich im Schlamm der Kanäle saß und von dort wie hypnotisiert den Prunk des oberen Wien bewunderte, war ich unfähig, den Glauben, der das Volk im Auftrag des mosaischen Gottes zur Demut erzog, als Ursache des eigenen Unglücks zu sehen. Weil ich mir einen anderen Glauben kaum denken konnte, erkannte ich nicht, dass dieser Glaube maßgeblich für mein Schicksal als Abschaum verantwortlich war. Zu meiner Zeit war es schwer, an die Macht eines anderen Gottes als an die Macht des Herrn der Heerscharen zu glauben. Moses' Gott hatte bis auf ein paar Flecke auf dem Globus die ganze Welt erobert: von Alaska bis Tasmanien, von Feuerland bis Bombay, vom Tafelberg bis Hammerfest, von Sachalin bis Agadir. Nichts deutete darauf hin, dass ihm der Endsieg noch zu nehmen war.

Auch die Linke hatte dem biblischen Weltbild niemals abgeschworen. Sie hatte bloß Namen ausgetauscht, Rollen neu verteilt und ihren Gläubigen nach uraltem Muster eine glänzende Zukunft prophezeit, auf die der historische Prozess angeblich seit der Menschwerdung zustrebt. Auch sie hat sich als Partei eines Gottes verstanden, der von oben über das Subjekt verfügt, denn nur was vorherbestimmt ist, kann auch vorhergesagt werden. Ihren Kriegsgott nannte sie "Geschichtsverlauf", den wahren Glauben "Sozialismus" und das Heilsvolk "Proletariat". Den Menschen als bestimmendes Subjekt des eigenen Daseins verlor sie im Entwurf schon wieder aus den Augen. Statt dessen sprach sie vom "Klassenkampf", vom Kampf einer zum Heil bestimmten Gruppe um die Macht und von einer Diktatur des Proletariats, der sich der Einzelne bedingungslos zu fügen hat. Ihr Tag des Herrn war die "Weltrevolution"; die angeblich ebenso vor der Türe stand, wie einst die Apokalypse in den Augen Jesu. Ihre Ägypter waren die "herrschenden Klassen", ihre Frevler nicht linientreu und ihr Kanaan die ganze Welt. Wenn der Heilsplan der historischen Gesetzmäßigkeit vollstreckt sein wird, lebt das Heilsvolk für alle Zeit als glückliche Herde im Arbeiter- und Bauernparadies, über dem die Partei genauso "selbstlos" herrscht, wie die mosaischen Priester über dem endgültig eroberten Kanaan oder die Engel über dem Himmelreich. Unterwegs dorthin diktiert der Funktionär die Gesetze des Geschichtsverlaufs, wobei er sich als Verwalter der endgültigen Wahrheit genauso wenig um Vielfalt kümmert wie der klassische Bibelkult. Der Kommunismus war keine Alternative. Er war eine säkulare Variante, die Gott zwar nicht personifiziert als himmlischen Herrn der Heerscharen sah, aber um so mehr als heilsgeschichtliche Zwangsläufigkeit, die ihr Recht auf Gewalt nicht zu hinterfragen braucht. Die linke Utopie war eine Variante, die unter Vorspiegelung falscher Wissenschaft Prophetie betrieb und den Lohn des Gehorsams wieder fürs pure Diesseits versprach. Es ist daher so: Nicht anderes als die europäische Linke bin ich im Bannkreis des biblischen Weltbilds verblieben. Wie sie habe ich geglaubt, dass die rechtmäßige Ordnung der Welt Kollektive unterscheidet und von einem vorherbestimmten Kollektiv verlangt, sich in blindem Gehorsam ihrem Weltplan zu fügen, damit es dank inneren Gehorsams die Welt einem unwidersprechbar richtigen Gesetz untertan macht. Da man einer göttlichen Allmacht jenseits des Subjekts logisch nicht widersprechen kann, musste zur Erklärung all der Übel des Lebens und all der Übel, die ein solches Weltbild mit sich bringt, ein satanischer Täter her, den ich dann im Juden sah, weil "der Jude" besser als alles andere auf der Welt geeignet ist, als Begründer der biblischen Kosmologie gehasst und in einem symbolischen Akt der Reinigung vernichtet zu werden, während man seinen Glauben im Grundsatz beibehält. Der Antisemitismus gehört zur Illusion, dass die biblische Ordnung von Gott gestiftet ist und zur Logik eines Glaubens, der jede Kritik an ihrem Gott verbietet. Außerhalb einer biblisch geprägten Kultur kann er keine Macht erringen. Innerhalb entsteht er unabdingbar.

Ich hatte keine Vorstellung von dem, was mein Weltbild formte. Wie die Bibel bewunderte ich unkontrollierbare Macht. Ich übernahm die biblische Fäden und wob einen deutschen Mythos daraus. Dabei träumte ich mich ganz nach oben. Wenn die Welt denn so ist, dass die Allmacht den einen beruft, um die anderen zu führen, warum sollte ich selbst dann nicht der Führer sein? Auch ich setzte meine Hoffnung auf einen himmlischen Vater. Ich hoffte, dass Gottvater endlich den Sohn als wertvoll erkennt; nicht bloß als Beamten einer christlichen Korruption, sondern als Künstler von Gottes Gnaden, als unbeirrbaren Weltarchitekten, als Führer eines neuen Heilsvolks, der für den Herrn der Heerscharen eine wahrhaft totale Zukunft des Glaubens entwarf. Dabei traf ich auf ein Publikum, das den Prunk des oberen Wien aus der gleichen Perspektive sah. Ein Heer christlicher Mitläufer wagte seinen Hass auf die apostolische Macht nur auf Sündenböcke auszurichten. Der Glaube hatte sie in den Respekt vor jeder Obrigkeit geduckt.

Wie sehr ich trotz all meines Hasses auf die Juden an deren Mythen gefesselt war, zeigen die Parallelen zwischen meinem Weltentwurf und den alttestamentarischen Bildern. Wie Moses sah ich das eigene Volk von Fremden bedrängt. Wie Moses war ich überzeugt, zur Rettung von höchster Macht berufen zu sein. Wie Moses glaubte ich, "mein" gedemütigtes Volk sei zur Herrschaft auserwählt. Wie Moses zwang ich mein Volk unter die Knute, um es für den Kampf zu rüsten. Wie Moses befahl ich Krieg, um andere Völker zu berauben. Wie Moses sah ich mich von der Vorsehung gesandt, ein von Gott verfluchtes Volk wegen seiner Verworfenheit auszurotten. Wie Moses hatte ich keine Skrupel, dabei über so viele Leichen zu gehen, wie es zum Erreichen des Ziels nötig war und wie Moses war ich überzeugt, dass das Heilsvolk zum Untergang verdammt ist, falls es für seinen Auftrag nicht jedes Opfer bringt. Das "Heil Hitler" folgte genauso der mosaischen Heilsidee wie das Mutterkreuz, das als Anreiz zur Umsetzung eines uralten Auftrags erkennbar ist: Seid fruchtbar, mehret euch und macht euch die Erde untertan! Durch den Holocaust an den Juden und den Angriff auf Europa habe ich jenen biblischen Mythos neu aufgelegt, der seit 3000 Jahren das Denken in seinem Bannkreis bestimmte. Weil all das in einem kausalen Zusammenhang steht, der Holocaust an Kanaan, 3000 Jahre religiös verbrämte Despotie und die Vernichtung des europäischen Judentums, deshalb taucht im nationalsozialistischen Wahn auch die Idee eines Endes der Geschichte und der Erlösung durch einen Messias auf. Im Glanz der Fackelmeere sahen die Gläubigen in mir den deutschen Messias, der das Undeutsche so erbarmungslos beseitigt, wie der christliche Messias dereinst alles Unchristliche in den Feuerofen der Hölle fegen wird und der jüdische Messias die Völkermassen im Tal Josaphat zertritt. Im Bild vom 1000-jährigen Reich vermengen sich Motive der christlichen Hoffnung auf den Erlöser und Motive der Verheißung Moses`: dass nach Erreichen des Kriegsziels eine geschichtslose Zeit völkischen Friedens und nationaler Größe anbricht, die sich selbst als gottgewollte Erfüllung der Geschichte verehrt.

Der Antisemitismus ist ein Spiegelbild biblischer Bilder. Die Bibel spricht nicht von "Untermenschen". Sie spricht von Völkern, die man wie Töpfergeschirr zerschlagen mag und Gefäßen des Zorns, die bereitet waren für den Untergang. Sie spricht von Menschen, die zur bloßen Vernichtung geschaffen sind. Totaler als die Bibel kann man das Existenzrecht der Gegner nicht leugnen und zweifellos ordnet sie dieses Existenzrecht gemäß nationaler Zugehörigkeit. Ezechiels Vision von der Ankunft des Messias fordert: ...schlagt drein! Euer Auge...kenne kein Mitleid! Greise, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen tötet, bis sie ausgerottet sind! Rührt aber niemand an, der das Kennzeichen trägt. Dasselbe Kennzeichen habe ich selbst benutzt: als Judenstern. Bloß dass der Judenstern kennzeichnete, wer beim Massenmord sterben soll, die Juden nämlich, während es in der Bibel umgekehrt jene sind, die der "gerechte" Massenmord verschont: die "Juden" nämlich. Auch das Neue Testament nennt Kennzeichen zur Selektion im Vorfeld des Gemetzels. Laut Offenbarung werden alle gequält, die nicht das Siegel Gottes auf den Stirnen tragen. Der Zynismus, Menschen zu markieren, damit man beim Totschlag nicht die Falschen erwischt, ist keine Erfindung für die sich erst der Nationalsozialismus zu schämen hätte. Als Werkzeug der "Gerechtigkeit" hat er seinen Platz in der Heilserwartung beider biblischer Kulte.

Das Konzentrationslager hatte im Dritten Reich die gleiche Funktion wie die Hölle im Weltbild der Bibel. Wie die Hölle folgt es einem Rechtsverständnis, das die selektive Vernichtung der Gegner als Ziel einer Heilsgeschichte beschreibt. Beides, der Glaube an den Endsieg und die strafende Vernichtung aller Widersacher sind Ausdruck des ursprünglichen Motivs der mosaischen Offenbarung: dem Vernichtungskrieg gegen Kanaan. Dabei war die Hölle selbst nichts, womit bereits Moses drohte. Erst das Scheitern der Verheißung und die Verleugnung des Irrtums hat den Hass der Getäuschten so verdichtet, dass er den Gegner nicht nur vernichten will, sondern sogar die Hölle für ihn erfand.

Natürlich saßen die Juden als Gruppe konkreter Individuen niemals beisammen und planten, die Welt zu beherrschen. Wahr ist aber, dass das Manifest des Judaismus dieses Ziel für sie benennt:

Sacharja 12, 6:
An jenem Tag mache ich die Sippen Judas...zu einem Feuerbecken...so daß sie...alle Völker ringsum verzehren.

Sacharja 14, 14:
Der Besitz aller Völker ringsum wird eingebracht...

Psalm 59, 6-14:
Du bist ja, Herr der Heerscharen, Israels Gott! Wache auf, um alle Völker zu strafen!...vertilge im Zorn, vertilge, daß keiner mehr übrigbleibt! Dann wird man erkennen, daß Gott herrscht in Jakob und bis an die Enden der Erde.

5 Moses 2, 25:
Vom heutigen Tage an beginne ich, Furcht und Entsetzen vor dir auf die Völker unter dem ganzen Himmel zu legen...

5 Moses 15, 6:
Du wirst über viele Völker herrschen, über dich aber soll keines die Herrschaft ausüben.

5 Moses 28, 1-10:
Gehorchst du getreulich...so wird der Herr...dich erhöhen über alle Erdenvölker...Alle Erdenvölker...werden sich vor dir fürchten.

Wenn man die Bibel ernst nimmt, was sie von Europa mit Waffengewalt verlangt hat, kommt man am Verdacht, die Juden strebten nach der Weltherrschaft, kaum vorbei; es sei denn, man begreift, dass sie mehr Opfer als Täter der eigenen Ideologie sind. Nicht "die Juden" wollen die Weltherrschaft, aber für den Judaismus ist es das erklärte Ziel.

Ähnlich liegt das Problem beim Vorwurf, das "Finanzjudentum" betreibe die Zinsknechtschaft der restlichen Welt. Auch hier gilt: Ein gemeinsames Komplott der Juden zur Ausbeutung der Gojim durch Wucher hat es nie gegeben. Der Judaismus hat jedoch den Geldverleih an Nichtjuden durchaus als Akt der Ausbeutung erkannt und geplant. Denn wenn er den Geldverleih, den er im Auge hat, nicht selbst für fragwürdig hält, warum verbietet er dann, dass ein Jude auch von einem Stammesbruder Zinsen nimmt und dass er auch ihn bedrängt, um Forderungen einzutreiben?

5 Moses 23, 21:
Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber von deinem Stammesgenossen nicht.

5 Moses 15, 3-6:
Einen Ausländer magst du bedrängen, doch von dem, was du von einem Stammesbruder zu fordern hast, sollst du die Hand lassen...Du wirst vielen Völkern ausleihen können, selber aber nichts zu entleihen brauchen...

Ausgebeutet wurden Christen zumeist durch Christen selbst. Genau das war ein fataler Hebel für den Vorwurf gegen "die Juden" generell. Der kleine Mann hatte unter dem Diktat des ursprünglich jüdischen Glaubens eine Menge zu leiden, während sich die christliche Obrigkeit das Maul nicht verbot. Und weil sich derselbe Glaube zur einzigen Wahrheit erklärte, zwang er sein Testament ganzen Zeitaltern so nahtlos auf, dass jeder, der lesen konnte, die Aussagen des Judaismus zur angeblich gottgewollten Verteilung des Reichtums und der Regelung des Geldverkehrs zwischen Juden und Gojim zu lesen bekam.

Psalm 105, 44:
...sie nahmen in Besitz, was die Völker mühsam erworben...

Juden sind per Geburt nicht habgieriger als andere. Aber ihr Glaube verklärt den Raubmord der Gründer zum Dienst an der göttlichen Ordnung. Er ködert Gläubige mit dem Versprechen, dass auch sie einst die Habe der Völker genießen. Er erklärt Besitz zu einem Merkmal vollendeten Menschseins. Er behauptet, dass Gott den Reichtum der Juden und die Armut der Völker plant. Für dieses Weltbild hat er keine Begründung. Es steht im Raum wie ein leerer Wahn. Wen wundert es da, dass in gemeinsamer Dummheit dem Wahn dialektisch ein zweiter begegnet, der unverrückbar glaubt, der jüdische Mensch sei ein geborener Schmarotzer?

Generationen haben von den Mädchen Midians gehört, ohne dass je eine Diskussion über die Gerechtigkeit einer solchen Heilsgeschichte stattfand. Während sich der Geist dem Diktat des Glaubens vordergründig beugte, hat er seinen Zweifel insgeheim bewahrt. Unter dem Druck des Tabus, das dem Zweifel zu Schweigen befahl, hat sich der ursprünglich gesunde Zweifel in einen absurden Vorwurf verwandelt; so wie ein Hund bösartig wird, wenn man ihn an die Kette legt. Moralisch gesehen fand in Midian nichts anderes als auf der Rampe von Auschwitz statt: Menschen wurden nach Nutzwert für Mörder sortiert. Wie kann man den Irrsinn daran hindern, dass er auf den Irrsinn einer solchen Moral mit blindem Hass reagiert und Juden pauschal beschuldigt, sie stellten fremdstämmigen Frauen nach? Ähnliches gilt für den Vorwurf, Juden opferten nichtjüdische Kinder. Natürlich haben sie das nicht getan! Aber es heißt:

Weisheit 18, 5-12:
...raubtest du zur Strafe ihre große Kinderschar...Womit du nämlich die Gegner straftest, damit brachtest du uns Ruhm durch die Berufung...die frommen Kinder der Guten...stimmten die Lobgesänge der Väter an. Doch es hallte entgegen das mißtönende Geschrei der Feinde, und es klang dazwischen die Klage um die betrauerten Kinder...nicht einmal zum Begraben reichten die Überlebenden aus, da in einem Augenblick der wertvollere Teil ihrer Nachkommenschaft umgekommen war.

Da bei den Juden gefeiert wird, worüber ein Christ nicht nachdenken darf, machten sich die Rituale der Juden in den Augen des verbotenen Denkens generell verdächtig und vom Denkverbot bis zum Vorwurf ritueller Kinderopfer war es nicht mehr weit. Was soll sich eine ungebildete Menge denken, die so etwas hört? Was denkt ein Mensch, wenn die Kinder der Guten Lobgesänge anstimmen und der Klageruf anderer ihren festlich gestimmten Ohren bloß als mißtönendes Geschrei erscheint? Er wird denken, dass die "Kinder der Guten" bar jeden Mitgefühls sind und wenn er nicht weiterdenkt, wird er nahtlos die Kinder der Guten des Alten Testaments mit den Juden gleichsetzen. Er wird denken: Wenn ein Volk den Tag feiert, an dem bei seinen Gegnern in jedem Haus eine Kinderleiche lag, droht unseren Kindern dann nicht auch der Tod, wenn es "bei denen" wieder was zu feiern gibt?

Das Christentum hat nur eine Kritik an der jüdischen Heilsgeschichte erlaubt: dass die Juden Jesus nicht als Messias anerkennen. An der übrigen Heilsgeschichte, so wie die Bibel sie von 1200 vor bis 30 nach Christus erzählt, verbot es jeden Zweifel, weil es sich selbst als Vollstrecker des mosaischen Auftrags betrachtet und daher alle Gewalt und alle Lüge, die der Heilsweg ohne Reue vor sich herschiebt, gegen jeden Vorwurf als sakrosankt erklärt. So wirft das Neue Testament den Juden zwar vor, sie seien Söhne des Teufels (Johannes 8, 44), an der Rechtmäßigkeit all dessen, was die angeblichen Söhne des Teufels taten, zweifelt es aber keineswegs. Denn wie spricht Abraham im Gleichnis Jesu? Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.


Die Bibel behauptet Wertgefälle zwischen Völkern. Soziale Hierarchie sei kein Resultat irdischer Rivalität, sondern Gottes Wille. Das hat Kolonialismus, Sklavenhandel und den Imperialismus der europäischen Nationalstaaten begünstigt. Das auserwählte Volk oder eben alle, die sich durch die Wahl des "einzig wahren Glaubens" selbst dazu ins Recht setzten, zogen aus, die Erde untertan zu machen.

Auch Rom war imperialistisch. Auch Rom hat Kolonien erobert und mit Sklaven gehandelt. Alexander hat in Persien nicht anderes als ein Imperium gesucht. Zwischen dem biblischen Imperialismus und dem heidnischen gibt es aber einen Unterschied: Rom hat Griechenland besetzt, aber nicht, um dessen Kultur zu vernichten. Im Gegenteil: Wie einst Assyrien nach dem Sieg über das Nordreich hat es die Kultur der Besiegten gepflegt. Genauso tat es Alexander. Er träumte nicht von der Vernichtung Persiens. Er wollte dessen Verschmelzung mit dem Hellenismus. Der biblische Imperialismus blieb dem mosaischen Credo treu: Der eigene Wert ist alles, der Wert der anderen nichts. Der heidnische Imperialismus war opportunistisch: Wenn es etwas zu erobern gibt, erobert man es halt. Der biblische folgte einem Programm: Macht euch die Erde untertan! Unterwerft nicht nur. Vernichtet!

Meine Rassenideologie war pseudowissenschaftlich. Aber nur beiläufig. Im Kern war sie ein dogmatischer Glaube nach mosaischem Vorbild. Ohne den biblischen Mythos vom gerechten Völkermord hätte es keinen Nationalsozialismus gegeben. Erst die flächendeckende Gleichschaltung des Denkens unter mythologische Bilder vom auserwählten Volk und dessen Recht zum gottgewollten Holocaust hat den affektiven Resonanzboden geschaffen, der meinen Hass an die Macht brachte.

Was ist "Vorsehung"? Der Begriff setzt zweierlei voraus: Dass jemand die Zukunft kennt und dass diese Zukunft so sein wird, wie die Voraussicht es vorsieht. Die "Vorsehung" ist eine Metapher für eine allwissende Allmacht, die die Geschicke lenkt. Die "Vorsehung" entspricht dem biblischen Gottesbild und als Bote dieser Vorsehung habe ich mich verstanden. Ich schrieb: "Ich gehe mit der Sicherheit eines Schlafwandlers entlang des Pfades, den mir die Vorsehung geebnet hat". Ich sah die Dinge "vom Walten der Vorsehung bestimmt" und pries die "Weisheit der Vorsehung", die mir vor meinem Aufstieg als bloße Härte erschienen sei.

Ich besuchte zwei Jahre die Klosterschule des Stiftes Lambach. Darüber schrieb ich in Mein Kampf, dass ich, Abt zu werden "als höchst erstrebenswertes Ideal" ansah. Zwar habe ich mich später aus der naiven Loyalität gegenüber dem Glauben gelöst, das Weltbild, das ich mir zurechtlegte, brach aber keineswegs mit der Tradition. Und gerade weil ich mit dem biblischen Glauben nicht brach, sondern ihn trotz aller Verachtung für die Schwächen der Priester bewunderte, hat mein Kampf Europa in den Abgrund geführt.

Dem politischen Führer haben religiöse Lehren und Einrichtungen seines Volkes immer unantastbar zu sein...Eine andere Haltung würde vor allem in Deutschland zu einer Katastrophe führen.
(Mein Kampf)

Man darf nicht die Religion oder die Kirche für die Verfehlungen einzelner Kleriker verantwortlich machen...
(Mein Kampf)

Die nationale Regierung wird das Christentum als Basis unserer gesamtem Moral...in ihren festen Schutz nehmen.
(Rundfunkrede 1.2.33)

Wir werden auch diesen Kampf nie kämpfen als einen Kampf gegen das Christentum...
(10. 9. 35 Nürnberg)

Ich lass´ mich auf einen Kulturkampf nicht ein...Die katholische Kirche ist schon etwas Großes...davon müssen wir lernen.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Das Christentum ist ein jüdischer Schwindel...Was wir tun sollen? Was die katholische Kirche getan hat, als sie den Heiden ihren Glauben aufgepfropft hat: erhalten, was zu erhalten geht und umdeuten.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Natürlich glaubte ich weder an die Himmelfahrt noch daran, dass Jesus je übers Wasser ging. Ich glaubte auch nicht, dass Moses mit Zauberkräften ausgestattet war, um die Magier des Pharao zu schlagen. Insofern war das Christentum für mich ein jüdischer Schwindel. Den Hokuspokus, den die Bibelreligion zum Machterhalt für wahr erklärte, habe ich durchschaut. Von der Struktur des Glaubens, seinem Willen zur Macht und vom Erfolg, den er hatte, war ich jedoch zutiefst beeindruckt. Für mich herrschte Jahwe nicht durch Hokuspokus, sondern als Schöpfer einer ewigen Natur, die unerbittlich die Übertretung ihrer Gebote rächt. Dem entsprechend wollte ich tun, was die Kirche einst tat und habe mich mit der Strategie des Bibelglaubens beschäftigt.

Bemerkenswert ist auch der immer heftiger einsetzende Kampf gegen die dogmatischen Grundlagen der einzelnen Kirchen, ohne die aber...der praktische Bestand eines religiösen Glaubens nicht denkbar ist.
(Mein Kampf)

Durch sie (die Dogmen) erst wird die...Idee...in eine Form gebracht, ohne die sie niemals Glauben werden könnte...Der Angriff gegen die Dogmen an sich gleicht deshalb...dem Kampf gegen die...Grundlagen des Staates, und so wie dieser sein Ende in einer...Anarchie finden würde, so der andere in einem wertlosen religiösen Nihilismus.
(Mein Kampf)

Ohne den klar begrenzten Glauben würde die Religiosität in ihrer unklaren Vielgestaltigkeit für das menschliche Leben nicht nur wertlos sein, sondern wahrscheinlich zur allgemeinen Zerrüttung beitragen.
(Mein Kampf)

Es ist Unsinn, dass der Bestand eines Glaubens ohne Dogmen nicht denkbar ist und Religiosität an dogmatischen Grenzen enden muss, damit sie die Gesellschaft nicht zerrüttet. Meine Behauptung zeigt jedoch, dass ich mit dem Glauben, der mich prägte, einer Meinung war. Der Bibelglaube lebt so sehr von seinen Dogmen, dass er die Zustimmung dazu als unumgänglichen Schritt zur einzig wahren Religiosität ansieht, einen Schritt, ohne den man in der Hölle landet. Genau wie der biblische Glaube ging auch ich davon aus, dass der Staat ohne die Herrschaft von Glaubensdogmen in Anarchie verfiele. Auch das ist Unsinn. Gerade am Unsinn erkennt man aber, wer ihn von wem übernimmt.

Die Umsetzung einer...Vorstellung von höchster Wahrhaftigkeit in eine...begrenzte, straff organisierte...Glaubens- und Kampfgemeinschaft ist die bedeutungsvollste Leistung, da von ihrer...Lösung...die Möglichkeit eines Sieges der Idee abhängt.
(Mein Kampf)

Und was für den Glauben die Dogmen darstellen, sind für die sich bildende politische Partei die Parteigrundsätze.
(Mein Kampf)

Auch hier hat man von der katholischen Kirche zu lernen. Obwohl ihr Lehrgebäude...mit der...Wissenschaft...in Kollision gerät, ist sie dennoch nicht bereit, auch nur eine kleine Silbe von ihren Lehrsätzen zu opfern...ihre Widerstandskraft...liegt...im starren Festhalten an...Dogmen, die dem ganzen erst den Glaubenscharakter verleihen.
(Mein Kampf)

Zu den Vorstellungen von höchster Wahrhaftigkeit zählte für mich die Phantasie vom jüdischen Weltkomplott. Wenn ich von der Kirche lerne, dass man an seinen Lehrsätzen starr festzuhalten hat, selbst wenn der Lehrsatz mit der Wissenschaft in Kollision gerät, muss ich geahnt haben, dass weder mein Judenhass noch mein Glaube ans deutsche Herrenvolk objektiv zu begründen war. Was habe ich aber von der Kirche gelernt? Dass sich Macht um Wahrheit nicht kümmert, sondern ihr Credo wider alle Argumente zu einer "höheren Glaubenswahrheit" erklärt, denn...

Aus dem Wissen kann nie die Kraft kommen, wie sie der Glaube mitbringt.
(1935 beim Besuch der Münchner Universität)

Solcherlei Rede war nicht nur Taktik. Mein Verstand war von der Herrschaft der Bibel vielmehr so überwältigt, dass ich mir eine Ordnung, die nicht von einer straff organisierten Glaubens- und Kampfgemeinschaft beherrscht war, nicht vorstellen konnte. Ordnung ohne Diktatur war für mich Anarchie. Daher konnte ich mir Liberalität auch bloß als Blendwerk einer jüdischen Weltmachtstrategie erklären, die eigentlich keine Freiheit will, sondern sie als Werkzeug zur Knechtung der Völker benutzt. Dementsprechend lernte ich bezüglich meiner Staatsidee bewusst am biblischen Modell.

Vor allem habe ich vom Jesuitenorden gelernt...Etwas großartigeres als die hierarchische Ordnung der katholischen Kirche hat es bisher auf der Welt noch nicht gegeben. Ich habe vieles unmittelbar auf die Ordnung meiner Partei übertragen.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Ich habe mich bei der Behandlung unseres Programmes strikte an die Art gehalten, wie die Kirche ihre ehrwürdige Bekenntnisurkunde behandelt hat.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Sehen Sie nicht, daß unsere Partei etwas ganz Ähnliches sein muß? Ein Orden, die hierarchische Ordnung eines weltlichen Priestertums?
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Mit den Strukturen der christlichen Kirche kopierte ich die ursprünglich judaistische Radikalität bei der Beseitigung ideologischer Konkurrenz.

Auch das Christentum konnte sich nicht damit begnügen, seinen Altar aufzubauen, sondern mußte zwangsläufig zur Zerstörung der heidnischen Altäre schreiten. Nur aus dieser fanatischen Unduldsamkeit heraus konnte sich der apodiktische Glaube bilden.
(Mein Kampf)

Da eine Weltanschauung niemals bereit ist, mit einer zweiten zu teilen, so...fühlt (sie) die Verpflichtung...die gesamte gegnerische Ideenwelt mit allen Mittel zu bekämpfen.
(Mein Kampf)

Wer also den Sieg einer völkischen Weltanschauung wirklich...wünscht, der muß erkennen, daß dies nur unter Zugrundelegung einer unerschütterlichen...Festigkeit ihres Programms möglich ist.
(Mein Kampf)

Selbstverständlich gibt es Weltanschauungen, die bereit sind, zu teilen. Ich glaubte jedoch, dass das Christentum zwangsläufig zur Zerstörung der heidnischen Altäre schreiten musste. Ein Mensch nämlich, der die brachiale Übermacht einer despotischen Ideologie so am eigenen Leib erlebt hat, dass er nur als seelischer Krüppel davonkam und sich trotz allem nicht beugen will, kann mit Pluralismus nichts anfangen. In seinen Augen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man wird von der Übermacht wie ein winselnder Hund verprügelt oder man wird selbst zur Übermacht, die dasselbe mit den Feinden tut. Ich stand folglich in einem Zwiespalt. Einerseits empfand ich tiefen Hass gegen den österreichischen Staat (Rede vom 30.6.34), samt dessen biblisch geprägter Doktrin, andererseits war das vom Dogmenglauben beherrschte Gesellschaftsmodell das einzige, was ich kannte und das einzige, was aus meiner Perspektive betrachtet, erfolgreich war. Daher hasste ich die "jüdischen Gründer" des Glaubens ebenso, wie ich es für unumgänglich hielt, deren Denkansatz zu übernehmen und die gesamte gegnerische Ideenwelt mit allen Mittel zu bekämpfen.

Ein Griff nach dem Alten Testament...: "Da", rief er, "schau´s dir an, das Rezept, wonach die Juden von jeher ihre höllische Suppe kochen!
(Hitler zu Dietrich Eckart 1923 zitiert nach Werner Maser. Die Frühgeschichte der NSDAP.)

Wir müssen den Juden mit seinen Waffen schlagen.
(ebenda)

Das Rezept, wonach ich meine Höllensuppe kochte, um den Juden mit seinen Waffen schlagen, habe ich aus dem Manifest des Judaismus abgekupfert. Daher hielt ich kaum je eine Rede, ohne dass ich mich auf den Allmächtigen, den Schöpfer, den Herrgott, den Himmel oder die Vorsehung berief. In den zwanziger Jahren schrieb ich:

Wem aber Leidenschaft versagt und der Mund verschlossen bleibt, den hat der Himmel nicht zum Verkünder seines Willens ausersehen.
(Mein Kampf)

Die ewige Natur rächt unerbittlich die Übertretung ihrer Gebote. So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln. Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.
(Mein Kampf)

Ich mache dieses deutsche Volk würdig, die Prüfung Gottes zu bestehen, in der es 1918 versagt hat.
(Mein Kampf)

So wie ich die Gerechtigkeit aus dem Thronsaal des Allmächtigen zu beziehen glaubte, so sah ich mich selbst als Apostelnatur (Mein Kampf), sprach von meinen Prophezeiungen, über die bald niemand mehr lachen würde, hielt mich für einen Prediger der nationalsozialistischen Idee (Rede am 1.5.35), bezeichnete Deutschland, als unser heiliges Reich (Rede am 17.6.36), sah die gefallenen Parteigenossen als Märtyrer (Rede am 8.11.40), mich selbst beauftragt, das Gericht über die Kriegsgegner zu bringen (Neujahrsrede 41), sprach Parteifunktionäre als Jünger an (Max Domarus, Hitler - Reden und Proklamationen 32-45), führte einen Kreuzzug gegen den Bolschewismus (1941) und sah mich wie Paulus nach Heilung von Blindheit zur Sendung berufen. Ich benutzte die Dramaturgie des biblischen Glaubens keineswegs nur deshalb, weil ich christliche Parteigänger ködern wollte. Ich sprach so, weil es meinem Weltbild entsprach. Das belegen Aussagen, die ich 1923 meinem Vertrauten Dietrich Eckart gegenüber machte.

Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung; sah er den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen. Nur leider zu spät, und auch dann noch nicht da, wo er am schädlichsten wirkt: im Christentum. Ach, hätte er ihn da gesehen! Nicht den Katholizismus hätte er angegriffen, sondern den Juden dahinter! Statt die Kirche in Bausch und Bogen zu verwerfen, hätte er seine ganze leidenschaftliche Wucht auf die wahren Dunkelmänner fallen lassen. Statt das Alte Testament zu verklären, hätte er es als die Rüstkammer des Antichristen gebrandmarkt...Nie wäre es zur Kirchenspaltung gekommen, nie zu einem Krieg, der nach Wunsch der Hebräer dreißig Jahre lang arisches Blut in Strömen vergoß.
(Zu Dietrich Eckart 1923, zitiert nach Werner Maser, Die Frühgeschichte der NSDAP)

Will man uns wirklich weismachen, daß an der Kirche nie etwas auszusetzen wäre? Gerade weil wir Katholiken sind, sagen wir es. Mit dem Katholizismus hat das nichts zu tun. Von dem wissen wir, daß er unberührt geblieben wäre, auch wenn die halbe Hierarchie aus Juden bestanden hätte.
(ebenda)

Da diese Bemerkungen nicht aus öffentlichen Reden stammen, ist sicher, dass es sich um keine Propaganda handelt. Vielmehr zeigen sie, wie ich nach einer Lösung meines ideologischen Zwiespalts suchte. Ich verwarf das Christentum keineswegs. Im Gegenteil: Ich versuchte es als seelische Heimat zu retten, indem ich die Übel des Glaubens jüdischen Dunkelmännern zuschrieb. Mein Bedauern war ehrlich: Hätte Luther doch bloß nicht die Kirche gespalten, sondern die Juden als das "wahrhaft Böse" aus ihr beseitigt! Dann wäre der Katholizismus unberührt und den Gerechten der dreißigjährige Krieg erspart geblieben. Als Eckart mich auf das christliche Liebesgebot verwies, sah ich mich nicht im Gegensatz zu Jesus:

Nein...was so ein richtiger Feind ist...den kann man auch lieben, man kann ihn wenigstens achten, und so hat es auch Christus gemeint; aber daß wir die reinen Bestien...an´s Herz schließen, das zu ertragen ist Christus nicht im Traum eingefallen. Er tut es ja selbst nicht. Im Gegenteil, er haut zu, so fest er kann..."
(ebenda)

Wenn man die "Bestien" durch das "Natterngezücht" ersetzt und bedenkt, dass Jesus für den Tag der Gerechtigkeit das Ende des Natterngezüchts in einem Feuer verheißt, das er selbst auf die Erde bringt, war mein moralischer Schulterschluss mit Jesus keineswegs absurd; denn Jesu Feindesliebe endet jäh, wenn er die Möglichkeit dazu bekommt, alle Feinde auf einmal zu erwischen. Es gehört zur verqueren Logik des biblischen Weltbilds, dass dem schrecklichsten Antisemiten ein Schulterschluss mit dem treuesten Judaisten gelingt. Sieht man mich dergestalt im Widersinn des Glaubens gefangen, mag man mir auch zugestehen, dass ich Folgendes aus echter Überzeugung schrieb:

Sein Leben (des Juden) ist nur von dieser Welt und sein Geist ist dem wahren Christentum innerlich so fremd, wie sein Wesen es 2000 Jahre vorher dem großen Gründer der neuen Lehre selbst war.
(Mein Kampf)

Wer die Hand an das höchste Ebenbild des Herrn zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer dieses Wunders und hilft mit an der Vertreibung aus dem Paradies.
(ebenda)

Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubigste Protestant neben dem gläubigsten Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen.
(ebenda)

Wohlgemerkt: Im dreißigjährigen Krieg haben sich Katholiken und Protestanten keineswegs auf Wunsch der Hebräer gegenseitig umgebracht. Das Blutvergießen hatte jedoch mit dem jüdischen Erbe zu tun, dem Erbe des Offenbarungsglaubens, der jedem, der sich im Besitz offenbarter Wahrheit wähnt, die Pflicht zu geben scheint, die Gegenseite zu erschlagen. Der Mechanismus der Verzerrung ist typisch für die Entstehung von Judenhass vor einem christlichen Hintergrund. Angesichts des Leids, den die Religionskriege mit sich brachten, ist Zorn auf das mosaische Erbe verständlich. Der Zorn trifft aber nur dann die Ideologie und nicht seine Opfer, wenn man sich eingesteht, dass das Christentum den Mord Sems an Cham genauso als Heilstat wie der Judaismus preist und dem Gemetzel des dreißigjährigen Kriegs damit die Vorlage lieferte. Leugnet man das, behauptet man auch, dass der jüdische Geist Jesus, dem großen Gründer der neuen Lehre, ebenso fremd gewesen sei wie dem wahren Christentum. Wie tief ich aus judaistischen Vorstellungen heraus handelte, zeigt mein alttestamentarisches Gottesbild.

Der Allmächtige wird der gerechte Richter sein.
(30.1.43)

Wir haben vor unserer eigenen Geschichte und vor unserem ewigen Herrgott sehr viel wiedergutzumachen. Die Vorsehung hatte uns ihren Schutz entzogen. Unser Volk ist gestürzt...in dieser schweren Not, da haben wir nun wieder beten gelernt, da haben wir gelernt unseren Herrgott zu achten...Die Gnade des Herrn wendet sich uns jetzt langsam wieder zu...und...wir...bitten den Allmächtigen, er möge uns die Kraft verleihen, den Kampf zu bestehen für die Freiheit und...den Frieden unseres Volkes, so wahr uns Gott helfe.
(Köln 28.3.36)

Manchmal äußert sich die tiefste Liebe der Vorsehung zu ihren Geschöpfen auch durch eine Züchtigung.
(Parteitag 13.9.37)

Und dann ist unser Volk undankbar geworden...hat es...seinen Glauben verloren und ist schwach geworden. Damit hat es die Gnade des Herrn nicht mehr verdient. Ich habe so oft gesagt, dass die Vorsehung uns geschlagen hat, und zwar mit Recht geschlagen hat. Sie hat uns zugefügt, was wir verdient haben.
(8.3.43)

Seine Gerechtigkeit wird uns solange prüfen, bis er sein Urteil sprechen kann.
(Neujahrsrede 1944)

Der Allmächtige, der unser Volk...geleitet...gewogen, belohnt oder verurteilt hat, soll dieses Mal eine Generation vorfinden, die seines Segens würdig ist.
(Neujahrsrede 1945)

Treulosigkeit und Verrat haben...den Widerstandswillen unterhöhlt. Deshalb war es mir nicht vergönnt, mein Volk zum Sieg zu führen.
(Letzte Botschaft an die Wehrmacht)

Ich bezog mich auf den Ersten Weltkrieg. Der Krieg ging verloren, weil das Volk im Glauben schwach und undankbar geworden war. So musste es durch die Niederlage gezüchtigt werden. Es bekam, was es verdiente. Im Alten Testament hat der Judaismus stets dieselbe Erklärung bemüht, wenn er dem Volk die Erfüllung seiner Versprechen schuldig blieb. Gott züchtigte das wankende Volk, damit es zum blinden Glauben zurückkehrt. Judaistisch war auch meine Vorstellung, dass Gott keine Individuen auf sich bezieht, sondern Völker.

Der Glaube kann Nationen stärken und wieder emporführen, und mögen sie noch so gedemütigt gewesen sein.
(1.3.35 Rede in Saarbrücken)

Dem Volke, das diese Prüfungen vor der Vorsehung besteht, wird am Ende der Allmächtige als Lohn den Lorbeerkranz des Sieges und damit den Preis des Lebens reichen.
(10.9.43)

Das Höchste aber, was mir Gott auf dieser Welt gegeben hat, ist mein Volk...ihm gebe ich mein Leben.
(Rede vom 1.5.35)

Auch den Glauben habt ihr von mir empfangen...
(März 43)

Wir haben die Pflicht zu entvölkern...Ganze Volksstämme sind auszurotten.
(Rede vom 1.5.35)

Wie die Juden erst aus der Zerstreuung heraus zu der allumfassenden Weltmacht werden konnten, die sie heute sind, so werden wir heute als das wahre Volk Gottes aus der Zerstreuung in alle Welt...zum Herrenvolk der Erde.
(Rede vom 1.5.35)

Dieses Lied ist...ein Bekenntnis zum Allmächtigen. Zu seinem Willen und zu seinem Werk: denn nicht Menschen haben dieses Volk geschaffen, sondern jener Gott, der über uns allen steht...nach seinem Willen ist es geworden, und nach unserem Willen soll es bleiben und nimmermehr vergehen!
(31.7.37 in Breslau)

Da muss eine gedemütigte Nation Prüfungen bestehen. Da schickt Gott seinem Volk einen prophetischen Führer, damit es aus seiner Hand den Glauben empfängt. Da hat Gott ein Volk erschaffen, damit es Deutschland, Deutschland über alles singt und seine Berufung zur Weltherrschaft als Gottesdienst empfindet. Da lässt Gott auf dem Schachbrett der Welt ein weißes Volk gegen zehn schwarze kämpfen. Das weiße hat die Pflicht zu entvölkern und Gott schaut befriedigt zu, wie es im Eifer des Glaubens Völker auslöscht. All das kennen wir aus dem Alten Testament. Und da die Vorsehung sich hauptsächlich mit der Rangordnung von Völkern beschäftigt, offenbart sie sich Propheten und ruft diese in den Führerstand. Denn: Nur eine straffe Führung auf Erden leitet das Volk auf den rechten Weg.

Auch ich bin religiös, und zwar tief innerlich religiös, und ich glaube, daß die Vorsehung die Menschen wägt und denjenigen, der vor der Prüfung der Vorsehung nicht bestehen kann, sondern in ihr zerbricht, nicht zu Größerem bestimmt.
(8.11.43)

Ich habe ein Recht zu glauben, dass mich die Vorsehung bestimmt hat...
(Februar 43)

Als ich damals blind im Lazarett lag, sagte ich zur Vorsehung: Wenn ich wieder gesund werde, dann will ich es als Zeichen nehmen...Und als ich dann sehend wurde, nahm ich es als einen Berufungsakt des Himmels für mich.
(Zu Hans Frank)

So gehen wir auch mit der tiefsten Gottgläubigkeit in die Zukunft. Wäre das, was wir erreichten, möglich gewesen, wenn die Vorsehung uns nicht geholfen hätte?
(6.6.37 in Regensburg)

...unermeßlich stark wird (der Mensch) in dem Augenblick, indem er im Sinne der Vorsehung handelt!...Und wenn ich auf die fünf Jahre, die hinter uns liegen, zurückblicke, dann darf ich doch sagen, das ist nicht Menschenwerk allein gewesen...So sind wir Nationalsozialisten auch im tiefsten Herzen gläubig!
(27.6.37 Würzburg)

Wir Nationalsozialisten sind in unserem tiefsten Herzen gottgläubig...Wir haben hier den Grundsatz des absoluten Gehorsams und der absoluten Autorität...Auch die Volksführung früher, die Kirche, kannte nur dieses eine Lebensgesetz.
(23.11.37 vor der SS in Sonthofen)

Die Verheißung, als auserwähltes Volk über die Welt zu herrschen, ging einst an die zwölf Stämme Israels. Als ein Stamm im Bruderkrieg vernichtet war und neun weitere im assyrischen Reich verschwanden, nahmen Juda und Levi das Staffelholz des göttlichen Segens für sich allein. Wenn das Volk ungehorsam war, wurde es in "Gottes" Augen zu einem Nicht-mein-Volk. Schon für den Judaismus des Alten Testaments war selbstverständlich, dass Gott die Unwürdigen aus seinem Bund verwirft und sich sein Segen von Generation zu Generation bloß auf treue Vertreter vererbt. Das Christentum meint, dass Gott seinen Bund von den "undankbaren" Juden an ein neues Heilsvolk übertrug. Ich trat in die Fußstapfen dieser Heilsgeschichte. Warum sollte Gottes Segen nicht von einem geheuchelten Christentum auf ein glühend glaubendes nationalsozialistisches Deutschland übergehen, wenn dieses Deutschland wie kein anderes Volk an den Gehorsam, die Berufung, die Macht und den Sieg glaubt und sich in einem gläubigen Rausch über alle Vernunft hinwegsetzt? Ich habe mehr an den mosaischen Gott geglaubt, als die Mehrzahl der Priester.

Das war schon was, die Kirche. Jetzt sind wir die Erben...Wir sind auch eine Kirche...Wenn ich schon die Jugend habe, die Alten sollen in die Beichtstühle hinken. Aber die Jugend, die wird anders. Dafür stehe ich.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Die liberalen Pfaffen, die keinen Glauben mehr haben.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Nun kommt dazu, daß unter diesen Katholiken der größte Teil das selbst gar nicht glaubt.
(27.2.42)

...dann gibt der Herrgott seinen Segen auch nur dem, der im Unmöglichen standhaft bleibt.
(13.4.42)

Die Geschichtsschreibung wird dereinst feststellen...daß es sich hier um den wunderbarsten Sieg des Glaubens gegenüber den vermeintlichen Elementen des sachlich Möglichen gehandelt hat.
(8.11.43)

Der Sieg des Glaubens gegenüber den Elementen des sachlich Möglichen. Auch das war eine mosaische Vorgabe, die über die christliche Verachtung der Vernunft durch mich zu neuer Blüte kam. Je mächtiger ich wurde, desto mehr verachtete ich aber nicht nur die Vernunft, sondern auch das Christentum, als dessen Erbe ich mich sah; weil die Glaubensglut der Christen in meinen Augen keine Kraft mehr hatte und zum größten Teil aus der selben Heuchelei bestand, wie seinerzeit die Glaubenskraft der Pharisäer.

Denn wir alle wissen: das Himmelreich erringen keine Halben!...Wehe dem, der nicht glaubt! Dieser versündigt sich am Sinn des ganzen Lebens...Es war das Wunder des Glaubens, das Deutschland gerettet hat. Heute ist es mehr denn je die Pflicht der Partei, sich an dieses nationalsozialistische Glaubensbekenntnis zurückzuerinnern.
(Rede vor Soldaten am 14.9.36)

Der größte Volksschaden sind unsere Pfarrer beider Konfessionen. Ich kann ihnen jetzt die Antwort nicht geben...
(8.2.42)

Dafür (für den Kirchenglauben) hat man Hunderttausende gefoltert! Und das mit der Heuchelei der Liebe!
(27.2.42 Wolfsschanze)

Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein. Darum werden wir die konfessionelle Schule erhalten, um gläubige Menschen durch die Schule zu erziehen.
(Zu Vertretern des Episkopats am 26.4.33)

Die Kirche sei zu allen Zeiten "sich ihrer heiligen Pflicht bewußt...in den Herzen der Gläubigen...den Gehorsam gegen die Obrigkeit als religiöse Tugend zu vertiefen.
(Kardinal Bertam brieflich an Hitler am 6.5.33)

Die Pfaffen...werden ihren lieben Gott an uns verraten. Um ihr erbärmliches Gelumpe von Stellung und Einkommen werden sie alles preisgeben.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Wenn ich dem Episkopat am 26.4.33 die konfessionellen Schulen belasse, damit es dort gläubige Soldaten erzieht und ich 10 Tage später Post von Kardinal Bertram bekomme, der mir versichert, dass die Kirche sich der heiligen Pflicht bewußt ist, den Gehorsam gegen die Obrigkeit als religiöse Tugend zu vertiefen, liegt nichts näher, als der propagierten Liebe eine Heuchelei zu unterstellen, die durch eine Renaissance wahren Glaubens abzulösen war. Dem entsprechend bestand mein Plan keineswegs darin, den Glauben des von mir bis aufs Blut gehassten Volkes zu verwerfen, sondern ich sah mich als neuen Moses, der das Staffelholz des Herren der Heerscharen in eine Zukunft trägt, in der analog zur Prophezeiung judaistischer Propheten, der einzig wahre Glaube von allen Völkern übernommen wird.

Die zehn Gebote sind Ordnungsgesetze, die absolut lobenswert sind.
(22.7. 41 Wolfsschanze)

Es tut mir leid, daß ich wie Moses das gelobte Land nur aus der Ferne sehen kann.
(27.2.42 Wolfsschanze)

Die Gedankenwelt unserer Bewegung (wird) Gemeingut aller Völker werden.
(Februar 43)

Aber erst, wenn das von Gott verfluchte Volk, jetzt nicht mehr die Söhne Chams, sondern die Söhne Sems, vernichtet sind!

Nur zwischen uns beiden wird der Kampf um die Weltherrschaft ausgefochten, zwischen Deutschen und Juden. Alles andere ist trügerischer Schein.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Erkennt man, in welchem Ausmaß ich von judaistischem Denken besessen war, kann man eine erstaunliche Bemerkung aus meinem Munde verstehen:

Der Jude sitzt immer in uns.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Natürlich saß in mir kein Jude. Ich wollte auch nicht sagen, dass ich jüdischer Abstammung war. Was in mir saß, war aber das Weltbild meiner Feinde und beim Versuch den Fluch der Offenbarung abzuschütteln, habe ich alles falsch gemacht. Je mehr ich mich zu sträuben versuchte, desto mehr habe ich das, wogegen ich mich sträubte, vollstreckt.

In den Evangelien riefen die Juden dem Pilatus zu...: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder." Ich muß vielleicht diese Verfluchung vollstrecken.
(Zu Hans Frank 1938 in der Reichskanzlei)

Wir werden nicht kapitulieren, niemals. Wir können untergehen, vielleicht.
(zu Rauschning, frühe 30-er Jahre)

Ein Wort kenne ich nie und werde es nie kennen...es heißt wieder Kapitulation, d.h. Ergebung in den Willen eines anderen - niemals, niemals!
(29.4.41 im Sportpalast)

Sich niemals ergeben! Sich niemals dem Willen des leiblichen Vaters ergeben! Und doch ergab ich mich ganz dem vermeintlichen Willen des mosaischen Gottes.



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