Cham
Weder Jude, Christ noch Moslem

Judas Makkabäus

Zeitweise habe ich den Makkabäeraufstand gegen Antiochus IV. geführt. Losgetreten hatte ihn bereits mein Vater Mattatias. Er war Priester und rebellierte gegen Antiochus' Versuch, das Seleukidenreich, zu dem Judäa gehörte, bezüglich religiöser Bräuche gleichzuschalten. Antiochus bestieg 175 vor Christus den Thron. Er war ein Despot und erklärte den hellenistischen Polytheismus zur Staatsreligion.

Seit Esra waren 300 Jahre vergangen. Judäa hatte unter persischer, dann unter hellenistischer Herrschaft gestanden. Die Perser hatten sich in die religiösen Belange der Juden kaum eingemischt. Ähnlich taten es zunächst die Nachfolger Alexanders. Griechenland war polytheistisch. Es hatte kein Problem, regional Götter hinzunehmen. Im Kosmos des Alexanderreichs waren die Juden auf dem Boden Kanaans bloß eine lokale Besonderheit. Nach der Rückkehr aus dem Exil hatten sie einen neuen Tempel gebaut. Zurückgekehrt waren aber nur wenige. Eine Neuauflage der Aggression, die einst zum davidischen Reich geführt hatte, kam daher nicht in Frage. Soweit die Weltpolitik es erlaubte, bezog sich das jüdische Leben weit mehr als früher auf sich selbst. Dabei litt die jüdische Gesellschaft unter derselben Spaltung wie die israelitische nach Moses. Ein Pol schloss sich ab. Er hielt sich bis zum letzten Komma ans Gesetz. Der andere Pol war weltoffen und stand mit dem Umfeld im Austausch. An seinen Rändern gab der weltoffene Pol das Selbstverständnis, jüdisch zu sein, schrittweise auf. Jedenfalls verlor es seine überwertige Bedeutung. Seit Moses sammelte sich die dogmatische Partei um die Priester. Sie bezeichnete jeden als Frevler, der sich einem hermetischen Nationalismus nicht unterwarf. Abweisend gegen alles, was nicht judaistisch war, hoffte das Dogma auf den Aufstieg eines mächtigen Königs. Er sollte die Verheißung vom Besitz Kanaans und der Beherrschung seiner Nachbarn ein zweites Mal verwirklichen. Für immer! In den Augen der Dogmatiker ging das erste Reich verloren, weil die Frevler Gott beleidigt hatten. Bis zur Ankunft des neuen Königs wiederholte man die Texte. So wie David und Salomo als Zeichen der Königsmacht "gesalbt" wurden, sollte auch der kommende König gesalbt sein. Daher hieß er "Messias", "der Gesalbte". Wenn der Messias käme, würde er mit den Frevlern kurzen Prozess machen.

Psalm 3, 8-9:
Erhebe dich, Herr...denn stets hast du all meinen Feinden die Wange zerschlagen, zerbrochen die Zähne der Frevler...Auf deinem Volk ruhe dein Segen!

Psalm 7, 13-14:
...wenn einer sich nicht bekehrt, spannt er seinen Bogen und zielt mit ihm. Er richtet auf ihn die Todeswaffen...

Psalm 17, 14:
Dein Schwert möge sie töten...Ohne Lebensdauer sei ihr Anteil am Dasein! Was du [an Plagen] aufbewahrt hast, damit fülle ihren Leib, daß ihre Söhne noch satt werden und den Rest ihren Kindern hinterlassen!

Psalm 101, 8:
Jeden morgen will ich alle Frevler im Land vernichten...

Psalm 139, 22:
Mit äußerstem Haß hasse ich sie.

Jeremias 12, 3:
Raffe sie fort wie Schafe zur Schlachtung, weihe sie für den Tag des Mordens!

Maleachi 3, 21:
"...Die Frevler werdet ihr niedertreten, ja, sie werden zu Asche unter den Sohlen eurer Füße an jenem Tage, den ich herbeiführe", spricht der Herr der Heerscharen.

Die Idee eines Messias, der den Gläubigen durch einen Tag des Mordens zum Glück verhilft, war der Kitt, der den Glauben zusammenhielt. 1000 Jahre nach Moses war der Rest der Getreuen weit davon entfernt, den glanzvollen Staat zu beherrschen, der ihm angeblich zustand. Man konnte nur noch auf ein Wunder hoffen. Grund für den Riss zwischen Anspruch und Wirklichkeit war nationaler Selbstbetrug. Die Geschichte richtet sich nicht nach den Wünschen selbsternannter Propheten; auch wenn sie meinen, Gott weihe sie in alle Pläne ein.

Amos 3, 7:
Gott...wirkt nichts, ohne zuvor seinen Plan...den Propheten, zu offenbaren.

Propheten traten erst auf, nachdem das salomonische Reich zerbrochen war. Sein Untergang stellte den Glauben an Moses' Versprechen auf ewigen Erbbesitz des Landes radikal in Frage. Je größer der Widerspruch zwischen Realität und Versprechen, desto größer der Bedarf an mahnenden Stimmen, die alles Scheitern den Abtrünnigen zur Last legten und ihre Vernichtung forderten. Parallel dazu formulierten die Propheten das Versprechen Moses' derart um, dass es seine Glaubwürdigkeit scheinbar behielt.

Isaias 26, 14:
Tote leben nicht mehr auf, Verstorbene erheben sich nimmer;

Isaias 26, 19:
Deine Toten leben, meine Verstorbenen werden auferstehen...

Was sich scheinbar ausschließt, erweist sich angesichts dahinscheidender Generationen, die den Besitz Kanaans nicht miterlebten, als Theorie der göttlichen Gerechtigkeit. Die erste Zeile spricht von den Toten, die das göttliche Zornesfeuer verzehrt, die zweite von den Parteigängern Jahwes. Bei Moses spielte die Auferstehung keine Rolle. Er glaubte an die Besetzung Kanaans und machte sich keine Gedanken, wo seine Mitstreiter ihren Lohn empfangen, falls der Sieg ausbleibt. Erst als eine Generation nach der anderen wegstarb, ohne den Sieg erlebt zu haben, brauchte man die Auferstehungstheorie. Wenn sich Gehorsam nicht im Leben lohnt, dann eben später. Für die Verstorbenen hieß das: Sie mussten auferstehen, um überhaupt belohnt zu werden. Der nachträglich erfundene Auferstehungsglaube rettete Moses' Diesseitsreligion vor dem Untergang. Obwohl es reichlich Gelegenheit gab, "Prophezeiungen" rückzudatieren, enthalten die prophetischen Bücher auch solche, die nachweislich falsch sind. Und sie enthalten Aussagen, die einander ausschließen.

Isaias 60, 10-21:
Ausländer bauen deine Mauern auf...Deine Tore...Tag und Nacht bleiben sie unverschlossen, um zu dir den Reichtum der Völker zu bringen...Denn das Volk...das dir nicht dient, geht unter, ja, die Heidenvölker werden gänzlich vertilgt...Saugen wirst du der Völker Milch...erfahren sollst du, daß ich, der Herr, dein Heiland bin...Deine Bürger...besitzen auf ewig das Land.

Isaias 61, 5-6:
Dann stehen Fremde bereit, euer Kleinvieh zu weiden, Ausländer sind eure Bauern und Winzer. Euch aber nennt man "Priester des Herrn"...Die Habe der Völker werdet ihr genießen und ihres Reichtums euch rühmen.

Was nun? Werden die Heidenvölker vom Heiland gänzlich vertilgt, oder stehen den Juden Fremde und Ausländer zur Verfügung, die die Arbeit machen, während das Priestervolk die Milch der Völker saugt? Auch "Jeremias" ist unschlüssig, was er prophezeien soll:

Jeremias 12, 16-17:
Lernen sie (die Nachbarvölker) dann eifrig die Bräuche meines Volkes...so sollen sie inmitten meines Volkes aufgebaut werden! Gehorchen sie indes nicht, so reiße ich ein solches Volk völlig aus und vernichte es...

Jeremias 30, 10-11:
"Israel erschrick nicht!...Denn ich mache ein Ende mit allen Völkern, unter die ich dich zerstreute, nur dich vertilge ich nicht, sondern züchtige dich nach Gebühr...

Wenn doch mit allen Völkern ein Ende gemacht ist, wie sollen sie dann eifrig die Bräuche der Israeliten lernen? Und wie passt das zu Joëls Prophezeiung?

Joël 4, 17:
Jerusalem wird ein Heiligtum sein und Fremde werden es nicht mehr betreten.

Wie können Fremdvölker inmitten meines Volkes aufgebaut werden, wenn sie Jerusalem nicht betreten? Wenn Amos meint, dass Gott all seine Pläne Propheten offenbart, hat einer nicht richtig hingehört. War es Joël oder Jeremias? Oder vielleicht Sacharja? Oder alle?

Sacharja 8, 22:
So kommen viele Völker und mächtige Nationen, um in Jerusalem den Herrn der Heerscharen...zu versöhnen.

Ezechiel 29, 2-11:
...richte dein Antlitz wider den Pharao...und tritt wider ihn und wider ganz Ägypten als Prophet auf! Rede und sprich:...gegen dich gehe ich vor, Pharao...ich lasse das Schwert über dich (Ägypten) kommen und vertilge aus dir Menschen und Vieh...ich...mache...Ägypten zur Trümmerstätte...vierzig Jahre lang bleibt es unbewohnt...ich zerstreue die Ägypter unter die Völker...

Ezechiel prophezeite im 6. Jahrhundert vor Christus. Seine Vision wurde nie wahr. Obwohl sich die Propheten irrten, kümmert das den Glauben wenig, denn der Judaismus ist eine Ideologie, die sich von selbst fortpflanzt. Nehmen Sie hundert Kinder! Schärfen Sie ihnen in einem Umfeld, das von "religiösen" Ritualen beherrscht wird, ein, dass das Einschärfen der Gesetze in die Köpfe der "Auserwählten" unabdingbar ist! Sagen Sie ihnen, dass man diesen Preis für grandiosen Lohn bezahlen muss oder aber am Tag des Mordens wie kosmischer Unrat zertreten wird! Mindestens fünfzig dieser Kinder werden bis ans Ende ihres Lebens meinen, dass man dasselbe den eigenen Kindern einzuschärfen hat. So wirkt die Macht einer Ideologie über Menschen. Nicht weil der Mensch sie bejaht, sondern bloß, weil er sie nicht verneint; weil er sie nach lebenslanger Indoktrination kaum noch verneinen kann. Den Überbringern des Glaubens an die nächste Generation kann man keine böse Absicht unterstellen. Im Gegenteil: Der Ideologie, von der man entmündigt wurde, blind zu gehorchen, ist tatsächlich gut gemeint.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein Jude - Siegmund Freud - wie kein anderer vor ihm fragt, wie Unglück mit Prägung zusammenhängt. Es ist kein Zufall, weil das jüdische Leben exemplarisch wie kein anderes in der Kindheit festgelegt wird. Und es ist auch kein Zufall, dass Freud dabei unterdrückte Sexualität als Ursache seelischen Leids entdeckt. Sexualität ist sowohl die symbolträchtigste Form der Beziehung als auch typisches Merkmal jener Kulte, die der Judaismus einst vernichtet hat; weil Moses die intime Verbindung Israels mit dem Umfeld unterbrach. Mit seiner Lehre verwarf Freud den Judaismus. Einen Punkt hat aber selbst er nicht klar erkannt: dass der überlieferte Glaube an sich seelische Krankheit verursacht. Trifft ein Kind auf ein Umfeld, das seine Ursprünglichkeit ebenso wenig bejaht, wie es ihm erlaubt, über sein Weltbild zu bestimmen, so wird das Kind dadurch entwertet; besonders, wenn es, statt von sich aus zu denken, millionenfach wiederholte Gedanken zu repetieren hat, Gedanken, die es mit der Natur, mit sich selbst und Gott entzweien. Freud übersah den ideologischen Kindesmissbrauch.

Freud sprach vom Ödipuskomplex. Er sprach von der Phantasie des Sohnes, den Vater umzubringen, um sich die Mutter anzueignen. Er erkannte zwar, dass der Sohn versucht, die Macht des Vaters über sich zu brechen, aber nur indem er den Impuls verzerrt beschrieb; als sexualisierten Trieb und damit als biologische Verirrung des Sohnes, der in der Folge nur ein sinnvolles Schicksal blieb: sich zur Kultur empor zu sublimieren. Und zu welcher? Zu der, die es eben gab: zur Kultur der Väter. Freuds Wurf war eine große Leistung; aber nur die halbe Miete. Hätte er auch erkannt, dass der ödipale Konflikt eine Verdrehung widerspiegelt, die zur Kultur gehört, zu einer Kultur, die zwar die Perversion der Söhne, nicht aber die Perversion des Glaubens ihrer Väter erkennt, wäre er zu seiner Zeit damit nicht durchgekommen. Die Perversion des Glaubens, die Freud übersah, war die Verdrehung natürlicher Rollenverhältnisse und die Verkündung des Besitzes als Heilsziel der Moral. Schauen Sie sich Spatzen an! Da genügt es den Vätern, die Küken zu füttern. Kein Spatz käme je auf die Idee, seinen Söhnen Uniformen anzuziehen, damit er selbst samt Spatzenvolk dereinst ins Land der Amseln einmarschiert. In der biblischen Kultur ist das anders: Da fördert der Vater nicht den Sohn und entlässt ihn dann ins Leben. Er beschneidet ihn, damit er den Zwecken des Vaters dient. Kein Wunder, dass in der Folge beim Sohn die Phantasie entsteht, einen solchen Vater loszuwerden. Hätte Freud nicht nur die Perversion des Es, sondern auch die des ÜberIch erkannt, wäre ihm Wesentliches klar geworden: Weder ödipaler Mordimpuls noch "Todestrieb" sind biologisches Schicksal. Sie wurzeln in der Kultur. So wie Antiochus' Versuch, Judäa den Hellenismus aufzuzwingen, Widerstand erzeugte, spaltet der biblische Kult Väter und Söhne. Das Makkabäerbuch berichtet vom Beginn des Aufstands:

1 Makkabäer 1, 11-15:
In jener Zeit (circa 180 vor Chr.) traten in Israel gesetzesfeindliche Leute auf. Sie...sprachen: "Wir wollen uns mit den Heiden...gut vertragen!...Man errichtete in Jerusalem...eine Ringschule...sie...wurden vom heiligen Bund abtrünnig, verbrüderten sich mit den Heiden...

Zweierlei stimmt nicht: Erstens handelte es sich nicht um gesetzesfeindliche Leute. Sie wollten sich bloß mit dem Umfeld vertragen; statt sich dem Gesetz zu beugen. Es waren die Verfechter des völkischen Gehorsams, die Feindschaft säten. Wie so oft bei politisch motivierter "Religion" wurde die eigene Feindseligkeit auch hier den Opfern zugeschrieben. Die Feindschaft der Abtrünnigen, sofern ihre Abneigung bloßes Desinteresse überstieg, richtete sich auch kaum gegen das Gesetz, als vielmehr gegen die Übergriffigkeit selbsternannter Gesetzeshüter. Zweitens unterstellt der Text, die Spaltung des Volkes sei zu jener Zeit erst aufgetreten; als handelte es sich um die Preisgabe einer bis dahin bestehenden Einigkeit. Dabei weiß jeder, der die Bibel kennt, dass der Riss bis ins Heerlager Moses' reicht und sich seitdem mit dem Blut Erschlagener füllte. Der Aufstand brach los, als mein Vater einen abtrünnigen Juden erschlug.

1 Makkabäer 2, 23-24:
...trat ein Jude herzu, um vor aller Augen auf dem Altar von Modeïn nach der Anweisung des Königs Opfer darzubringen. Mattatias...ließ seinem Zorn freien Lauf, wie es sich gehörte, sprang vor und erschlug ihn am Altar.

Für seinen Mut bin ich stolz auf ihn. Vergessen Sie nicht, dass Antiochus mordend durch Judäa zog! Sein Versuch, Juda dem Hellenismus zu verpflichten, entsprang keinem wahrhaft religiösen Eifer. Sein Treiben war bloßer Machtmissbrauch.

2 Makkabäer 7, 1-21:
Es begab sich auch, daß sieben Brüder mit ihrer Mutter verhaftet wurden. Der König (Antiochus) wollte sie zwingen, gesetzlich unerlaubtes Schweinefleisch zu sich zu nehmen...Den ganz verstümmelten, noch lebenden Körper (des ersten Sohnes, der sich weigert) ließ er ans Feuer bringen und in der Pfanne braten...Ungewöhnlich bewundernswert aber war die Mutter und sie verdient ein ruhmvolles Andenken. Sie mußte es mitansehen, wie sieben Söhne...ums Leben kamen und doch hat sie es in der Hoffnung auf den Herrn frohen Mutes ertragen. Einem jeden von ihnen redete sie in der Muttersprache hochedlen Sinnes zu...

Also war richtig, dass jemand Antiochus in die Quere kam. Im Ganzen sehen die Dinge aber anders aus. Antiochus nahm sich beim Versuch, die Juden gleichzuschalten, nicht mehr heraus, als wir selbst es umgekehrt taten. Antiochus maßte sich an, die Religion seiner Mitmenschen gewaltsam festzulegen. Das judaistische Denken, das diese Anmaßung zu Recht als böswillig empfand, trug jedoch Schriften vor sich her, in denen es genau dieses Recht für sich selbst voraussetzt. Mehr noch: Nicht nur das Recht setzt es voraus. Es predigt die Anmaßung als religiöse Pflicht. Antiochus verstümmelte und verbrannte Widerständler. Moses ließ sie pfählen. Beide folterten ihre Gegner bei Bedarf zu Tode. Beherrscht vom Dogma, waren wir unfähig, Moses ebenso nüchtern zu sehen wie den Feind. Auf einem Auge blind, verübten wir Grausamkeiten, zu denen uns die Schrift aufstachelte.

1 Makkabäer 2, 44-46:
Sie konnten...die Sünder schlagen, die Abtrünnigen in ihrem Zorn. Die übrigen aber flohen zu den Heiden, um sich zu retten. Mattatias und seine Freunde zogen umher und rissen die Altäre nieder. Sie vollzogen an unbeschnittenen Kindern...mit Gewalt die Beschneidung.

1 Makkabäer 3, 4-8:
Einem Löwen glich er (Makkabäus)...der nach Beute brüllt. Er spürte die Frevler auf...und verbrannte die Störenfriede seines Volkes...Durch Judas Städte zog er einher und vertilgte die Gottlosen...

1 Makkabäer 10, 84:
Nun brannte Jonatan (der Bruder Judas')..die Städte im Umkreis nieder und raffte ihre Beute an sich. Auch das Heiligtum des Dagon samt den dorthin Geflüchteten ließ er verbrennen.

1 Makkabäer 11, 47-51:
...sie (3000 jüdische Soldaten) töteten an jenem Tage etwa hunderttausend Mann. Die Stadt steckten sie in Brand...Sie kehrten beutebeladen nach Jerusalem zurück.

Antiochus' Versuch, uns den Hellenismus aufzuzwingen, setzte Kanaan in Brand. Das Pulver der Orthodoxen lag dazu schon lange bereit. Wäre Antiochus nicht so dumm gewesen, hätte der Hellenismus von alleine gesiegt. Seine Anziehungskraft stand der Unerbittlichkeit des mosaischen Gesetzes gegenüber. Da das Gesetz als gottgegeben galt, fehlte ihm die Flexibilität, den Wandel der Zeit zu beantworten. So zog es stets nur einen Teil des Volkes in seinen Bann, während der Hellenismus so verspielt war, dass er sogar jüdische Priester auf den Sportplatz lockte.

2 Makkabäer 4, 10-15:
...Jason...führte...griechische Bräuche ein. Er schaffte die...Vorrechte ab, die den Juden...verliehen worden waren...Er verleitete die tüchtigsten jungen Leute zum Tragen griechischer Hüte. So erreichte die Vorliebe für das Griechentum und der Übertritt zu fremder Lebensart ihren Höhepunkt...Infolgedessen waren die Priester nicht mehr besorgt um die Altardienste...Dafür beeilten sie sich, an dem gesetzwidrigen Spiel auf dem Sportplatz teilzunehmen, wenn das Scheibenwerfen angekündigt war. Die vaterländischen Ehren achtete man für nichts, die hellenistischen Auszeichnungen dagegen für besonders anziehend.

Jason war Hoherpriester! Der Hellenismus drang das Lager der judaistischen Partei. Zwischen den Orthodoxen und den Abtrünnigen hatte sich viel Spannung aufgebaut. Gemäß den Anweisungen der Schrift wurden die Abtrünnigen während des Aufstands radikal vernichtet. In ihrer Geschichte wurden Juden von vielen Völkern verfolgt, nicht zuletzt von Juden selbst. Im Grunde hatte schon Moses "Judenverfolgungen" in der Wüste organisiert, als er andersdenkende Israeliten massenhaft umbringen ließ. Der Begriff "Judenverfolgung" meint aber, dass jemand verfolgt wird, weil er Jude ist. Insofern waren Moses' Massaker am eigenen Volk keine "Judenverfolgungen" im eigentlichen Sinn, ebenso wenig das, was wir mit den Abtrünnigen taten. Diese Juden wurden nicht verfolgt, weil sie jüdisch waren, sondern weil ihnen dabei der Eifer fehlte. Das Motiv der Morde ist unterschiedlich. Die Ermordeten könnten einer Debatte über das "bessere" Motiv jedoch nur wenig abgewinnen. Neben der liberalen Opposition bekämpften wir die Truppen Antiochus' und Fremdstämmige überhaupt.

1 Makkabäer 4, 26:
Die Fremdstämmigen, soviel sich ihrer retten konnten...

2 Makkabäer 12, 13-26:
Judas bestürmte auch die Stadt mit Namen Kaspin...Bewohnt wurde sie von einem heidnischen Völkergemisch...sie...richteten ein unbeschreibliches Gemetzel an. Der nahe gelegene...See schien voll des strömenden Blutes zu sein...Judas rückte nun gegen Karnion und das Heiligtum der Atargatis aus. 25000 Menschen metzelte er nieder.

Die Bibel behauptet, ganz Israel habe den Tod meines Vaters betrauert. Anderswo betont sie, dass er Abtrünnige systematisch verfolgte und der überlebende Rest zu den Heiden floh.

1 Makkabäer 2, 70:
Er (Mattatias) starb im Jahre 146 (hellenischer Herrschaft)...Ganz Israel hielt um ihn große Trauerklage.

1 Makkabäer 7, 5:
Zu ihm (Demetrius) kamen...alle abtrünnigen...Männer aus Israel...

Warum sollte man die Existenz einer Opposition erwähnen, wenn sie kein Recht zu existieren hat; es sei denn als Zielscheibe einer Empörung, die Vernichtung fordert? Natürlich hat nicht ganz Israel Mattatias' Tod betrauert. Wen wir noch zu töten planten, hatten wir aber von Israel schon subtrahiert. Ähnlich dachten wir auch sonst:

1 Makkabäer 8, 20:
"Judas Makkabäus...und das ganze Volk der Juden haben uns zu euch geschickt, um mit euch Bundesgenossenschaft...zu schließen.

Ich schickte Gesandte nach Rom um ein Bündnis gegen die Griechen zu schmieden. Dass das ganze Volk der Juden hinter den Gesandten stand, konnte nur gelogen sein, denn wir kämpften gegen den hellenistischen Flügel Israels. Propaganda ist auch die Behauptung, himmlische Reiter hätten auf unserer Seite eingegriffen.

2 Makkabäer 10, 29-30:
Als nun die Schlacht heftig entbrannt war, erschienen den Gegnern vom Himmel her auf goldgezäumten Rossen fünf herrlich aussehende Männer, die vor den Juden herzogen...Auf die Feinde schleuderten sie aber Geschosse und Blitze.

2 Makkabäer 11, 13:
... daß die Hebräer deswegen unbesiegbar sind, weil der allmächtige Gott ihr Mitstreiter ist.

Wir gaukelten den Soldaten vor, dank göttlichen Beistands seien sie unüberwindlich. Das stachelte ihren Kampfeseifer an. Es ist egal, ob ein solcher Glaube sich zu Recht auf Gott beruft. Er kann den Krieg entscheiden. Um so bedrohlicher ist es jedoch, wenn der Mythos bricht. Damit hatte schon Josua zu tun, als der Angriff auf Aj fehlschlug. Angesichts unserer Gefallenen mussten auch wir, nach der Schlacht bei Idumäa, Zweifel am göttlichen Auftrag zerstreuen. Skandal! Ausgerechnet in jener Truppe, die eben noch unter Mithilfe himmlischer Reiter den Sieg errang, verbargen sich die Götzendiener!

2 Makkabäer 12, 39-45:
..die Leute des Judas...holten sich die Leichname der in der Schlacht Gefallenen, um sie...beizusetzen. Sie fanden aber bei allen Gefallenen unter den Kleidern Abbilder von den Götzen aus Jamnia...Da wurde allen klar, daß sie wegen dieser Verfehlung gefallen waren. Alle priesen nun die Vorsehung des gerecht richtenden Herrn, der das Verborgene ans Licht bringt...Der edle Judas...veranstaltete unter den Kriegern eine Sammlung, die zweitausend Drachmen einbrachte, und sandte sie nach Jerusalem, um ein Sündopfer darbringen zu lassen...damit sie von der Sünde erlöst würden.

Opportuner als den Mythos der Unbesiegbarkeit aufzugeben, war es, die Ehre der Gefallenen zu opfern. Die "Entdeckung" der Amulette hält für die Gläubigen mehrere Lehren bereit. Erstens: Kein Kommandeur ist am Tod eines Soldaten schuldig. Zweitens: Zwischen der "Verfehlung" der Gefallenen und ihrem Tod besteht ein Zusammenhang, der dank göttlicher Vorsehung absolut gerecht ist und folglich allen klar wird. Kein Zweifel, dass nur der Tod unerlaubtes Denken sühnt! Drittens: Die Gerechtigkeit Jahwes wirkt absolut präzise. Alle Gefallenen waren Frevler. Wer keiner war, der fiel auch nicht! Viertens: Der Feind ist heimtückisch. Schleicht er sich doch ins Herz der jahwetreuen Truppe, heuchelt gar die Bereitschaft, für Jahwe zu sterben, um sich in Wirklichkeit aber an vorderster Front hinterlistig erschlagen zu lassen, damit die Jahwetreuen an ihrer Unbesiegbarkeit zweifeln. Doch die Saboteure haben die Rechnung ohne uns gemacht. Können wir doch an Amuletten, Kruzifixen, Davidsternen und Halbmonden erkennen, welche Leiche ein guter Mensch war und für wessen Heil man den Priestern erst noch ein Sümmchen schuldet. Natürlich täuschten wir das göttliche Eingreifen in den Kriegsverlauf bewusst vor. Wer glaubt, daß die Hebräer...unbesiegbar sind, weil...Gott ihr Mitstreiter ist, versucht nicht, mit Römern Bundesgenossenschaft zu schließen. Römer galten als genauso gottlos wie Griechen. Mit welcher Logik sollte man sich mit Gottlosen verbünden, wenn man sich für die Speerspitze eines Gottes hält, der Gottlose hasst?

Weisheit 14, 9:
Denn vor Gott ist...verhaßt der Gottlose...

Also war es vom Zweifel, ob der göttliche Beistand reicht oder des Beistands Gottloser bedarf, nur wenige Schritte bis zum Arrangement verräterischer Amulette, um den Glauben des Volkes für neue Taten zu stärken.

Das Wesen des Glaubens ist das stärkste Argument gegen den Unsinn politischer Religion. Was man wirklich glaubt, kann man doch nicht selbst entscheiden! Oder können Sie glauben, dass Gott auf sechs Beinen vom Mars zum Jupiter hüpft? Bloß weil Sie mutwillig beschließen, es zu tun, nachdem ein Missionar es gepredigt hat? Mag sein, dass der Missionar Sie überzeugt. Tut er's aber nicht, können Sie den Glauben an seine Botschaft nur heucheln; womöglich so beflissen, dass Sie die Heuchelei selbst übersehen. Mit dem wahren Glauben ist es nämlich so: Man kann feststellen, was man glaubt. Und man kann dazu stehen. Festlegen, was man glaubt, kann man aber nicht. Der Inhalt des wahren Glaubens entzieht sich dem persönlichen Beschluss. So können Sie nach erfolgter Predigt feststellen, ob Sie Gott für eine Heuschrecke halten. Sie können sich aber weder dafür noch dagegen frei entscheiden. Was Sie wirklich glauben, ergibt sich als spontane Hypothese. Es ist das Ergebnis des Zusammenspiels eigener Erfahrung und mitgeteilter Bilder, das sich der Kontrolle Ihrer Willkür entzieht. Hat eine politische Religion jedoch die Macht ergriffen, kann niemand mehr unbefangen feststellen, was er tatsächlich glaubt. Nach der Machtergreifung stellte unser Glaube jeden vor die Wahl: Mach mit oder stirb! Wer wollte da noch wissen, was er tief im Herzens für richtig hielt? Gerade dem glühendsten "Glauben" fehlte daher oft der Boden. Meist war er das Ergebnis seelischer Prozesse, durch die der "Gläubige" seinen Platz in einem Umfeld fand, in dem für jedes "falsche" Bekenntnis ein ungeheurer Preis zu zahlen war. Der Eiferer bildete sich seinen Eifer aus Angst vor eigenen Zweifeln oft nur ein. So ging es auch mir. Den Bund Israels mit Jahwe hätte ich kaum durch ein Bündnis mit den Anhängern Jupiters entweiht, wenn ich im Schatten meines offiziellen Eifers nicht an Jahwe gezweifelt hätte.

Der Aufstand der Makkabäer führte zur Unabhängigkeit eines jüdischen Staates zwischen 142 und 63 vor Christus. Dann unterstand Judäa Rom. Bei Jesu Geburt waren die Versprechen Moses' 1200 Jahre alt. Auch für die Makkabäer, eingekeilt zwischen Großmächte, war ihre Verwirklichung utopisch. Um so mehr Bedeutung kam der Erwartung zu, ein kommender König der Juden werde den Endsieg dereinst mit himmlischer Hilfe erzwingen. Das Christentums sieht sein Fundament in den Prophezeiungen der jüdischen Tradition; vor allem in jenen, die sich mit der Ankunft dieses Messias befassen. Das messianische Reich des Alten Testaments entspricht der mosaischen Verheißung eines hebräischen Herrenstaats. Von dort aus expandiert Israel und beansprucht alle irdischen Güter. Die anderen Völker werden ausgerottet oder unterwerfen sich. Teils werden ihnen Sklavendienste zugewiesen, teils werden sie durch Beitritt eingebürgert.

Isaias 11, 12-14:
Er (der Herr) richtet den Völkern ein Banner auf und sammelt die Versprengten Israels...die Bedränger Judas rottet man aus...Ephraim eifert nicht gegen Juda...Sie stürmen zum Abhang der Philister am Meer, plündern die östlichen Stämme vereint. Nach Edom und Moab greift ihre Hand, Ammons Söhne sind ihnen gehorsam.

Isaias 14, 2:
Völker werden sie nehmen...Israel wird jene...zu eigen erhalten als Knechte und Mägde...

Isaias 26, 15:
...o Herr, du vermehrst das Volk, hast...alle Landesgrenzen erweitert.

Isaias 33, 3-4:
...wenn du dich erhebst, zerstieben die Heiden. Dann rafft man Beute, wie Heuschrecken raffen...

Isaias 33, 22-24:
...der Herr unser König; er schafft uns Heil!...Alsdann verteilt auch ein Blinder Beute in Menge, Lahme gehen auf Plünderung aus...Das Volk, das dort wohnt, ist frei von Schuld.

Isaias 43, 3-4:
Denn der Herr bin ich...der Heilige Israels...weil du mir so wertvoll bist, hochgeehrt und von mir geliebt, gebe ich Menschen preis für dich und Völker für dein Leben.

Isaias 49, 23:
Könige...lecken den Staub deiner Füße.

Isaias 54, 3:
Deine Kinder werden Völker beerben und verheerte Städte besiedeln!

Isaias 56, 1-8:
...mein Heil ist nahe am Kommen, meine Gerechtigkeit wird bald enthüllt...Fremdlinge aber, die dem Herrn sich anschlossen, um ihm zu dienen...und...alle, die den Sabbat halten und nicht entweihen, die festhalten an meinem Bund, diese bringe ich zu meinem heiligen Berg...

Obadja 20-21:
Die Verbannten der Israeliten...besetzen das Land der Kanaaniter...werden hinaufziehen zum Sionsberge um Gericht zu halten über das Bergland Esaus.

Sacharja 12, 6:
An jenem Tag mache ich die Sippen Judas gleichsam zu einem Feuerbecken im Holzstoß und zu einer Brandfackel im Garbenhaufen, so daß sie zur Rechten wie zur Linken alle Völker ringsum verzehren.

Sacharja 14, 14-18:
Der Besitz aller Völker ringsum wird eingebracht, Gold, Silber und Kleider in großer Menge...Der gesamte Rest von all den Völkern...wird Jahr für Jahr hinaufpilgern, um den König, den Herrn der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern. Wer aber von den Völkerstämmen der Erde nicht hinaufzieht nach Jerusalem, um den König...anzubeten, über diese wird...das Strafgericht kommen...

Psalm 59, 6-14:
Du bist ja, Herr der Heerscharen, Israels Gott! Wache auf, um alle Völker zu strafen!...vertilge im Zorn, vertilge, daß keiner mehr übrigbleibt! Dann wird man erkennen, daß Gott herrscht in Jakob und bis an die Enden der Erde.

Psalm 37, 9-39:
...wer auf den Herrn hofft, erhält das Land...Denn die er segnet, erhalten das Land und die er verflucht, werden ausgetilgt...Die Ruchlosen werden vernichtet, die Kinder der Frevler ausgetilgt...die Gottlosen werden restlos vertilgt...



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