|
Glaube und Gesundheit |
Wenn wir die Kühnheit haben, radikale Fragen zu stellen, müssen wir vielleicht ein unerwartetes Maß an Flexibilität aufbringen, um die Antworten zu akzeptieren.
Brian Green
Oft wirkt die Bibel widersprüchlich. Einmal heißt es: Du sollst nicht töten!, dann Es töte ein jeder seinen Bruder, Freund und Nächsten! Die Vertreter der biblischen Religionen erklären das mit der Rätselhaftigkeit Gottes. Tatsächlich sind die Widersprüche aber logisch, wenn man die Bibel nüchtern untersucht. Cham weist nach, dass der angebliche Widerspruch von Glaube und Vernunft ein Trugbild der Unvernunft Bibelgläubiger ist.
Hitlers Verbrechen waren so abscheulich, dass ihn der Zeitgeist als Fremdkörper sieht, mit dem die biblische Kultur nicht mehr zu tun hat, als dass sie unter ihm zu leiden hatte. Das spaltet unser Weltbild entlang einer falschen Grenze und nötigt uns, uns für das kleinere Übel zu entscheiden. Es stimmt zwar: Die abrahamitische Theologie, die Europa bis zur Aufklärung beherrschte, war im Vergleich zum Nationalsozialismus das entschieden kleinere Übel. Trotzdem war der Nationalsozialismus aber nicht nur Gegenpol zur biblischen Kultur, sondern auch ihre pathologischste Entgleisung. Cham hebt die Spaltung auf. Statt das kleinere Übel empfiehlt das Buch die große Klarheit.
Der politische Charakter der biblischen Bekenntnisse hat über Jahrtausende hinweg die Entwicklung einer wirklich religiösen Kultur behindert. Bis heute wird Religiosität meist mit Konfession und Bibelglaube gleichgesetzt. Da der Glaube den meisten Menschen jedoch nicht mehr glaubwürdig erscheint, finden viele in der biblisch geprägten Kultur keine spirituelle Heimat. Cham zeigt auf, dass biblische Bekenntnisse politische Parteien sind, die ihren Machtanspruch durch vorgetäuschte Religion begründen. So ermuntert das Buch den Leser dazu, seine Religiosität aus der Hand biblischer Kulte in die eigene Obhut zu nehmen.