In einem fiktiven Prozess vor dem Jüngsten Gericht untersucht das Buch das Weltbild der Bibel. Es vergleicht das Rechtsgefühl der Heiligen Schrift mit ideologischen Positionen des Nationalsozialismus. Dabei zeigt es Parallelen zwischen der Lehre vom auserwählten Volk und Hitlers Wahnideen auf. Cham kommt zum Schluss, dass das Alte Testament die ideologische Grundlage des Dritten Reichs gewesen ist.
Für jeden, der die Argumentation des Buches als folgerichtig erkennt, hat das weitreichende Folgen.
Indem das Buch tragische Zusammenhänge beleuchtet, die übersehen, verdrängt oder verleugnet werden, regt es dazu an, Religion und Spiritualität vom Offenbarungsglauben zu befreien.
Narrative, Kriegsverbrechen und Moral
Das Narrativ des Abendlands ist eng mit den Realitätsdeutungen der Bibel verbunden. Laut Bibel war Moses eine Lichtgestalt, die der Menschheit die einzig gültige moralische Ordnung vermittelt hat. Gläubige gehen davon aus, dass Moses' Maßstäbe einer persönlichen Begegnung mit Gott entspringen. Ungläubige meinen meist, dass die Maßstäbe zwar nicht göttlichen Ursprungs sind, aber so richtig, dass sie es sein könnten.
Tatsächlich schreibt die Bibel Moses jedoch Taten zu, die ihn als Kriegsverbrecher erkennbar machen. Moses' Verbrechen und die Fragwürdigkeit der damit verknüpften Moral gehören zu dem, was das abendländische Narrativ ignoriert.
Kontrapunkt
Cham ergreift Partei. Das Buch steht auf der Seite derer, die unter den biblischen Konfessionen zu leiden hatten. Was parteiisch ist, ist ungerecht. Cham verweist auf den Schaden, den das biblische Weltbild angerichtet hat. Es befasst sich nicht mit seinem Nutzen. Niemand weiß, ob die Geschichte ohne den Einfluss der biblischen Lehre nicht tragischer verlaufen wäre, als sie es ist.
Die alttestamentarischen Autoren stellen die Geschichte des antiken Israels aus dem Blickwinkel nationalreligiöser Aktivisten dar. Sie schreiben den Protagonisten ihrer Geschichte zustimmend nationalistische und rassistische Motive und Taten zu.
Die Texte behaupten, Moses und seine antiken Nachfolger wurden von Gott beauftragt, die Hebräer einer Diktatur zu unterwerfen und bei der Eroberung Kanaans Völkermord zu begehen.
Das Gottesbild, das zur Rechtfertigung der Taten entworfen wurde, war auf den kriegerischen Vorsatz zugeschnitten.
Das zentrale Dogma der biblischen Theologie ist die Offenbarungsbehauptung. Die These, dass Recht und Ordnung von Gott festgelegt und damit unverrückbar sind, hat den Glauben dazu verleitet, eine Lehre zu predigen, die kompromissunfähig war. Die Offenbarungsbehauptung hatte einen Dualismus zur Folge, aus dessen Logik heraus stets etwas auszugrenzen, zu bekämpfen oder zu vernichten war.
Die abrahamitische Theologie hat den spontanen Prozess einer interkulturellen Osmose mit wechselseitiger Befruchtung verschiedener Kulturräume für ihren Herrschaftsbereich abgelehnt, um den Anspruch der Auserwähltheit der eigenen Glaubensgemeinschaft aufrechtzuerhalten.
Jesus war von den Lehren des Alten Testaments überzeugt. Er glaubte, jener Messias zu sein, den die Propheten angekündigt hatten und dessen Aufgabe darin bestehe, den Getreuen des auserwählten Volkes durch strikte Einhaltung der mosaischen Gesetze jene Rolle auf Erden zu verschaffen, die ihnen einst versprochen wurde. Er hat Paulus nie beauftragt, die biblische Theologie auf andere Völker zu übertragen.
Durch die Abspaltung seiner Glaubensvariante von der jüdischen Orthodoxie hat Paulus die Weichen dafür gestellt, Europa dem Dualismus der biblischen Theologie zu unterwerfen. Dabei hat er sich einer willkürlichen Interpretation der alttestamentarischen Heilsgeschichte bedient, die Jesu tatsächliche Lehre überging, und er hat den Grundstein zur Entstehung eines systematischen Antisemitismus gelegt.
Das Christentum hat das Alte Testament nicht-jüdischen Lesern zugänglich gemacht. Das Alte Testament wurden aus einer nationalistischen Perspektive heraus geschrieben, die zum Vorteil des antiken Israels anderen Völkern gegenüber Ansprüche erhob und/oder sie radikal entwertete. Die Trugideen des Antisemitismus stehen mit entsprechenden Aussagen des Alten Testaments in Verbindung und sind nur vor diesem Hintergrund erklärbar.
Es gibt einen christlichen Antisemitismus. Einen buddhistischen, schintoistischen, konfuzianischen oder hinduistischen Antisemitismus gibt es nicht. Warum? Weil der Antisemitismus unauflösbar mit der Bibel und ihren Botschaften verwoben ist.
Die antiken Autoren haben von den Israeliten ein Bild gemalt, das der Wirklichkeit nicht entsprach: das Bild eines Volkes, das zur Herrschaft über andere berufen ist. Im christlichen Kulturkreis haben Millionen Menschen die Hassphantasien und Ansprüche der antiken Fanatiker pauschal jenen Menschen angedichtet, deren praktizierter Glaube mit dem Alten Testament in engster Verbindung stand.
Das Alte Testament ist das, was an Selbstdarstellung der jüdischen Theologie in den Köpfen der Christen angekommen war und was deren Bild vom jüdischen Menschen bestimmte. Es beschreibt das "auserwählte Volk" als eins vor dem sich andere zu fürchten haben. Aus der Furcht entsprang Hass.
Das Christentum hat durch die Berufung auf das Alte Testament, durch seine Widersprüchlichkeit und die Unhaltbarkeit seiner theologischen Grundlagen ein kulturelles Klima geschaffen, aus dem heraus der Nationalsozialismus entstand.
Hitlers Weltbild wurde von den Vorgaben der abrahamitischen Theologie geprägt. Ersetzt man Hebräer durch Deutsche, erkennt man die Parallelen zwischen den Aussagen des Nationalsozialismus und jenen des Alten Testaments. Unermüdlich hat sich Hitler auf die alten Mythen berufen. Er hat sich als Vollender der biblischen Verheißung gesehen.
Es tut mir leid, dass ich wie Moses das gelobte Land nur aus der Ferne sehen kann.
Hitler am 27.2.42 / Wolfsschanze
Das Heil in Heil Hitler benennt dasselbe Heil, nach dem die Heilsgeschichte strebt: ein Heil, das den "Guten" zugutekommt, sobald die "Bösen" vernichtet sind.
Ohne den Selbstbetrug der biblischen Konfessionen, die den Mord der antiken Israeliten an den Völkern Kanaans als Dienst an einer göttlichen Ordnung verklären, hätte es keinen Holocaust gegeben. Der Keim des Antisemitismus liegt in der Offenbarungsbehauptung der abrahamitischen Theologie.
Weltanschauungen zu kritisieren, ist etwas kategorisch anderes als Menschen abzuwerten, die unter ihrem Einfluss stehen. Gerade weil der Mensch bedingungslos als wertvoll zu betrachten ist, ist Weltanschauungen, die seinen Wert nicht ohne Wenn und Aber respektieren, kritisch zu begegnen.
Religionskritische Aussagen, die das Alte Testament miteinbeziehen, werden leicht als antisemitisch gedeutet. Es wird daher ausdrücklich betont, dass antisemitische Vorstellungen abwegig sind. Der Autor des Textes ist von der Gleichwertigkeit aller Menschen und Völker überzeugt.
Cham 2.0 ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung seines Vorgängers (Cham - Weder Jude, Christ noch Moslem). Keine der beiden Fassungen vertritt antisemitische Positionen. Es sind vielmehr erhellende Beiträge, die die Entstehungsgeschichte des Antisemitismus beleuchten; wenn auch in einer Klarheit, die nicht jeder begrüßt. Das Buch enthält eine komplexe Argumentation. Jedes Argument wird durch Zitate aus der Bibel untermauert.
Noah hatte drei Söhne: Cham, Sem und Japhet. Als Noah betrunken und entblößt im Zelt lag, wies Cham darauf hin. Sem und Japhet schauten weg. Dieser Mythos bestimmte die Regeln einer Kultur, die Unterwerfung zur religiösen Pflicht erklärt. Gehorsam ist für die Bibel das Erste Gebot.
Weil Cham auf die Verfehlung seines Vaters hinwies, verstieß ihn Noah in die Knechtschaft Sems. Im biblischen Weltbild gilt Cham als Stammvater der Völker Kanaans, Sem als der des "auserwählten Volkes", das im Auftrag Moses' Kanaan besetzte. Dabei hat das "auserwählte Volk" an den Kanaanitern einen als Endlösung geplanten Völkermord vollstreckt. So steht es in der Bibel.
Bis heute ist das Denken Europas von einer Tradition geprägt, die das Unrecht dieses Völkermords verleugnet. Mehr noch: Die Tradition bezeichnet einen neuen Völkermord, die Apokalypse, als notwendige Etappe beim Übergang in die endgültig gerechte Ordnung der Welt.
Hitler ist im Klima dieses Glaubens groß geworden. Er hat aus der biblischen Tradition heraus den Mythos eines neuen "Herrenvolks" entworfen. Dabei hat er wesentliche Merkmale des Bilds vom "auserwählten Volk" der Bibel für die eigene Sache übernommen; einschließlich der Vorstellung, dass auch das neue "Herrenvolk" von Gott beauftragt ist, ein anderes Volk auf dem Weg zur Herrschaft auszulöschen.
Zwar stand der Nationalsozialismus dem Judentum als blanker Feind entgegen, sein Credo ging jedoch ebenso aus ursprünglich abrahamitischen Lehrsätzen hervor, wie sein Hass auch ein Ergebnis christlicher Unredlichkeit war. Hätte Europa den Mythos vom gerechten Mord Israels an den Kanaanitern niemals nachgebetet, hätte es weder das Dritte Reich noch dessen Völkermord an den Juden gegeben.
Der erste Abschnitt beschreibt die Vorgänge, die zum Vernichtungskrieg gegen Kanaan führten. Er geht davon aus, dass Moses nicht von Gott beauftragt war. Genau das geht aus dem biblischen Text plausibel hervor. Des Weiteren beschreibt er, wie sich der Glaube trotz des Scheiterns der mosaischen Verheißung durch Gewalt am Leben hielt und als Mittel seines Selbstbetrugs die messianische Erwartung schuf.
Der erste Abschnitt ist in vier Kapitel unterteilt:
Der zweite Abschnitt beleuchtet die biblischen Ereignisse der Zeitenwende. Er beschreibt Jesus als überzeugten Anhänger der alttestamentarischen Lehre. Er belegt, dass dessen Aufruf zur Feindesliebe bereits von Paulus als taktisches Manöver verstanden wurde und dass selbst das biblische Konzept der sogenannten Nächstenliebe den Totschlag anderer immer schon mitdachte. Durch den Vergleich des Neuen mit dem Alten Testament deckt er Manipulationen auf, mit denen Paulus die Grundmuster des abrahamitischen Denkens auf Europa übertrug.
Der zweite Abschnitt ist in zwei Kapitel unterteilt:
Der dritte Abschnitt befasst sich mit der Neuzeit. Er belegt durch Zitate aus dem Mund Hitlers die Verwandtschaft zwischen dem abrahamitischen Glauben und der nationalsozialistischen Ideologie. Er untersucht, wie die Kirche der Neuzeit, nach dem Völkermord an den Juden, die antiken Morde ihrer Gründerväter beurteilt. Dabei wird klar, dass der biblische Glaube Inhalte vermittelt, die der Botschaft der Liebe unvereinbar gegenüberstehen.
Der dritte Abschnitt ist in drei Kapitel unterteilt:
Das Buch ist als fiktiver Prozess gegen Hitler vor dem Jüngsten Gericht konzipiert. Dabei sind Akteure der biblischen Mythen sowie ein Vertreter der Kirche als Zeugen geladen.
Anhand von Zitaten aus der Bibel, einem katholischen Begleittext sowie Aussagen Hitlers belegt das Buch seine Thesen. Es ist in neun Kapitel gegliedert und umfasst 396 Seiten.
Soweit nicht anders gekennzeichnet, entstammen die Bibelzitate und die Zitate des katholischen Begleittextes der Familienbibel aus dem Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966 (Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament).
Die Zitate aus dem Koran entstammen der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt aus dem Jahr 1916 (Komet-Verlag, ISBN 3-933366-64-X).
Die Zitate aus dem Mund Hitlers entstammen dem Buch Der Glaube des Adolf Hitler - Anatomie einer politischen Religiosität, von Friedrich Heer, Amalthea Verlagsgesellschaft, 1998, ISBN 3-85002-415-6.
Weitere Quellen sind im Buch eigens gekennzeichnet.